Wolfram-Keup-Förderpreis 2026 verliehen

Prof. Dr. Ingo Schäfer stellt in Vertretung für die Preisträgerin Dr. Carolin Kilian die mit dem Wolfram-Keup-Förderpreis 2026 ausgezeichnete Arbeit vor.

Dr. Carolin Kilian erhält den Wolfram-Keup-Förderpreis 2026 für die Arbeit „Re-Hospitalisation of Alcohol Use Disorder Patients with and without Qualified Withdrawal and Rehabilitation Treatment“ („Rehospitalisierung von Patientinnen und Patienten mit Alkoholkonsumstörung mit und ohne qualifizierter Entzugs- und Rehabilitationsbehandlung: eine Data-Linkage-Studie in Hamburg“). Gemeinsam mit ihrem Team untersuchte sie, wie sich das Risiko einer erneuten Krankenhausaufnahme für Patient:innen mit Alkoholkonsumstörung verändert, je nachdem, welche Behandlung sie erhalten. Dazu nutzten die Forscher:innen Daten von zwei gesetzlichen Krankenkassen und zwei Trägern der Deutschen Rentenversicherung aus den Jahren 2016 bis 2021. Verglichen wurden drei Patient:innengruppen:

  • Versicherte, die eine nicht näher spezifizierte stationäre Alkoholbehandlung erhalten hatten (n = 306 Patient:innen)
  • Versicherte, die eine Qualifizierte Entzugsbehandlung (QEB) erhalten hatten (n = 487 Patient:innen)
  • Versicherte, die Rehabilitationsbehandlung mit vorheriger QEB erhalten hatten (n = 101 Patient:innen).

Für Patient:innen, die eine Qualifizierte Entzugsbehandlung mit anschließender Re­habilitationsbehandlung erhalten hatten, war die Wahrscheinlichkeit, im 12-Monats-Follow-Up nicht erneut hospitalisiert zu werden, am größten, sowohl bezogen auf alle Diagnosen als auch auf alkoholspezifische Diagnosen. Dagegen gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Patient:innen der ersten (nicht näher spezifizierte stationäre Alkoholbehandlung) und der zweiten (Qualifizierte Entzugsbehandlung) Gruppe. Simulationen ergaben außerdem, dass sich der Anteil der Patient:innen ohne Rehospitalisierung im 12-Monats-Follow-Up von 45,8 Prozent auf 50,7 Prozent erhöht hätte, wenn die Hälfte der Patient:innen eine Rehabilitationsbehandlung erhalten hätte. Medizinische Rehabilitation scheint demnach entscheidend zu sein, um die Gesundheit von Patient:innen mit Alkoholkonsumstörung messbar zu verbessern.

Corinna Mäder-Linke, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Suchthilfe (bus.), der den Wolfram-Keup-Förderpreis alle zwei Jahre vergibt, betont die Bedeutung des Preises:

 Wir freuen uns über die Entscheidung der Jury. Gerade vor dem Hintergrund knapper werdender finanzieller Ressourcen im Gesundheitssystem haben die Ergebnisse der prämierten Arbeit eine hohe Versorgungsrelevanz: Sie belegen eindrucksvoll, dass Rehabilitation wirkt, und untermauern unsere Forderung, das Angebot der medizinischen Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen nachhaltig sicherzustellen.

Preisträgerin und Erstautorin der ausgezeichneten Studie, Dr. Carolin Kilian, arbeitet am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) in Hamburg und an zwei Forschungseinrichtungen in Dänemark. Stellvertretend für Frau Dr. Kilian nahm Professor Ingo Schäfer, Mitglied der Forschungsgruppe, die Urkunde für die Auszeichnung mit dem Wolfram-Keup-Förderpreis am 18. März im Rahmen der bus.-Jahrestagung in Berlin entgegen.

Wolfram-Keup-Förderpreis

Der Wolfram-Keup-Förderpreis wird alle zwei Jahre vom Bundesverband Suchthilfe (bus.) für eine wegweisende wissenschaftliche oder praxisorientierte Arbeit auf dem Gebiet der Entstehung und Behandlung von substanz- und verhaltensbezogenen Störungen und Beeinträchtigungen vergeben und ist mit einem Preisgeld von 2.000 Euro ausgestattet. Er wurde dieses Jahr zum neunten Mal verliehen.

Zur Jury des Wolfram-Keup-Förderpreises 2026 gehörten die bus.-Vorstandsmitglieder
Dr. Wibke Voigt (Vorsitzende), Gotthard Lehner (stv. Vorsitzender), Dr. Darius Chahmoradi Tabatabai und Dr. Elke H. Sylvester sowie folgende externe Gutachter:innen:

  • (apl.) Dr. med. Anne Koopmann, Oberärztin der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
  • Dr. Ulrich Frischknecht, Professur für Sucht und Persönlichkeitspsychologie, Fachbereich Sozialwesen, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Köln
  • Dr. med. Ulrich W. Preuss, Chefarzt, Asklepios Fachklinikum Wiesen, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Wildenfels

Die prämierte Arbeit steht auf der Website des bus. unter https://suchthilfe.de/verband/foerderpreis/ zum Download zur Verfügung. Ebenso finden Sie hier Informationen über die vorangegangenen Preisträger:innen und prämierten Arbeiten.

Pressemitteilung des Bundesverbandes Suchthilfe e. V., 25.03.2026