Längsschnittstudie liefert Verlaufsdaten zu Konsumintensität und Abhängigkeitsentwicklung
Nicht alle Menschen, die Cannabis konsumieren, werden abhängig. Manche schaffen es, ihren Konsum zu begrenzen und das Abhängigkeitsrisiko in Schach zu halten. Doch ab wann droht der Konsum, zum Problem zu werden? Gibt es eine Art Grenzwert für den Konsum?
Forschende aus dem Vereinigten Königreich haben sich mit dieser Frage befasst. Studienleiterin Rachel Lees Thorne und ihr Team nutzten die Daten der Längsschnittstudie „CannTeen“. 150 Jugendliche und junge Erwachsene aus London und Umgebung waren daran beteiligt.
Über ein Jahr lang wurden die Teilnehmenden mehrfach zu ihrem Cannabiskonsum befragt. Manche entwickelten einen problematischen Konsum, andere nicht. Ziel der Untersuchung war es, einen Schwellenwert für die Intensität des Konsums zu ermitteln, ab dem der Konsum eine Art „Kipp-Punkt“ hin zur Abhängigkeit erreicht.
Jugendliche erreichen schnell die Risiko-Schwelle
Das Forschungsteam orientierte sich dabei weniger an der Häufigkeit des Konsums als vielmehr an der Gesamtmenge des Cannabis-Wirkstoffs THC, den die Befragten innerhalb einer Woche konsumierten. Die Ergebnisse haben folgende Werte ergeben:
- Bei Jugendlichen liegt die Schwelle für ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko bei etwa 30 Milligramm THC pro Woche. Das entspricht ungefähr einem Joint aus Cannabis, der etwa 6 Prozent THC enthält. Konsumieren Jugendliche hochpotentes Gras mit THC-Konzentrationen von 14 Prozent und mehr, haben sie schon mit einem Joint pro Woche die Schwelle hin zur Abhängigkeitsentwicklung deutlich überschritten.
- Bei Erwachsenen liegt die Grenze etwas höher. Die Forschenden haben einen Schwellenwert von rund 41 Milligramm THC pro Woche ermittelt, ab dem ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeit vorliegt. Wer hochpotenten Cannabis benutzt, erreicht die Schwelle allerdings schon mit einem Joint pro Woche. Wer niedrigpotenteren Cannabis verwendet, bleibt mit einem Joint hingegen unterhalb der Risiko-Schwelle für Abhängigkeit.
Seltener konsumieren und auf THC-Gehalt achten
Damit werde nach Aussagen der Forschenden deutlich, dass nicht nur die Häufigkeit des Konsums eine Rolle spielt, sondern auch die Wahl der Cannabissorte. Wer sein Abhängigkeitsrisiko verringern möchte, sollte also nicht nur seltener konsumieren, sondern auch Cannabis mit geringerem THC-Gehalt verwenden. (Weitere Safer-Use-Tipps finden sich HIER.)
Thorne und ihr Team betonen, dass ihre Ergebnisse nur als vorläufig zu betrachten sind und in Studien mit größeren Stichproben überprüft werden sollten. Dabei sollte auch die Rolle von Tabak mitberücksichtigt werden, da Joints meist aus einer Mischung aus Cannabis und Tabak bestehen.
Sie betonen auch, dass letztlich nur der Verzicht auf Konsum sicher sei. Das gelte besonders für Jugendliche, die bereits bei einem Joint pro Woche ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko haben. Jugendliche werden generell schneller abhängig von Cannabis als Erwachsene, wie bereits eine frühere Analyse der CannTeen-Studie (2022) gezeigt hat.
Originalpublikation:
Lees Thorne, R., Lawn, W., Petrilli, K., Trinci, K., Borissova, A., Ofori, S., Mokrysz, C., Curran, H.V., Hines, L.A. & Freeman, T.P. (2026). Estimating thresholds for risk of cannabis use disorder using standard delta‑9‑tetrahydrocannabinol (THC) units. Addiction, https://doi.org/10.1111/add.70263.
Quelle: https://www.drugcom.de/, 11.2.2026
