Acht Monate nach Cannabis-Teillegalisierung keine Auswirkungen feststellbar
Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben die kurzfristigen Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung für Erwachsene in Deutschland untersucht und dabei keine signifikanten Änderungen im Vergleich zur Zeit vor der Gesetzesänderung festgestellt. Grundlage waren Daten einer Bevölkerungsbefragung, die in Deutschland und Österreich vor (t0: Nov.–Dez. 2023) und nach der Teillegalisierung (t1: Nov. 2024–Jan. 2025) durchgeführt wurde, wobei der Cannabisbesitz in Österreich weiterhin verboten ist. Laut der Studie stieg in Deutschland der Cannabiskonsum von 12,1 auf 14,4 Prozent unter den 18- bis 64-Jährigen an; in Österreich war der Anstieg trotz Verbots vergleichbar.
Unter den Menschen, die Cannabis mindestens einmal im Monat konsumierten, fuhren in Deutschland leicht weniger Menschen unter Cannabiseinfluss Auto als vor Inkrafttreten der Legalisierung und vor Festlegung eines für den Straßenverkehr geltenden neuen Grenzwertes des Cannabiswirkstoffes THC (Tetrahydrocannabinol) im Blut – auch hier stellten die Forschenden keinen signifikanten Trendunterschied zu Österreich fest. Bei etwa 22 Prozent der Fahrten unter Cannabiseinfluss wurden zusätzlich Alkohol oder andere Substanzen konsumiert. Während solche Mischkonsum-Fahrten insbesondere auf wöchentlich Konsumierende zurückgingen, waren Fahrten allein unter Cannabiseinfluss bei täglich Konsumierenden am häufigsten.
In Deutschland wurde im April 2024 der Anbau und Besitz von Cannabis für Erwachsene teilweise legalisiert. Außerdem wurde im August 2024 ein neuer Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum im Straßenverkehr gesetzlich festgelegt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin „The Lancet Regional Health – Europe“.
Originalpublikation:
Schranz, Short-term effects of cannabis legalisation in Germany on driving under the influence of cannabis: a difference-in-differences analysis using Austria as a control. The Lancet Regional Health – Europe. 2026. DOI: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101593
Pressestelle des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), 26.1.2026
