Editoral

Erfolgreiche Präventionsprojekte

Die Konsumenten legaler wie illegaler Rauschmittel werden immer jünger und Suchtstoffe werden besonders von jungen Menschen zunehmend exzessiv gebraucht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die mit einem starken Alkoholrausch oder einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, zwischen 2000 und 2007 von 9.500 auf 23.000 erhöht. Und beinahe jeder Zweite in der Gruppe der 21- bis 24-Jährigen hat schon einmal eine illegale Droge konsumiert. Gerade für junge Konsumenten gibt es aber gute Ansatzpunkte im Hilfesystem, denn die meisten in dieser Altersgruppe sind noch nicht abhängig. Damit eine Sucht nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen kann, wurden in der Vergangenheit verschiedene erfolgreiche Präventionsprogramme ins Leben gerufen, die wir in unserem ersten Themenschwerpunkt ab Seite 10 vorstellen.

Die neue Beziehung von Therapie und Strafe

Auf Kongressen und Tagungen sind Themen zum Betäubungsmittelgesetz (BtMG), zur Zusammenarbeit oder gar zu Konflikten mit der Justiz heute völlig out. Fragt man in der Suchthilfe nach „dem Paragraphen 35“, so wird weitgehend unaufgeregt über die Zusammenarbeit mit der Justiz und die Arbeit in den Haftanstalten berichtet. Das war nicht immer so! Um den § 35 BtMG, die Koppelung von Strafmaß und Therapie, den ‚helfenden Zwang’ wurde in den Anfangsjahren heftig gestritten. Dazu kamen bürokratische Hürden und Uneinheitlichkeit in den juristischen Verfahren. Über Frontenbildung, Schwierigkeiten bei der Umsetzung des § 35 in die Praxis, sich glättende Wogen und die Kosten einer auf Prohibition ausgerichteten Drogenpolitik berichten wir in unserem zweiten Themenschwerpunkt ab Seite 34.

„Ten years after“

Dieses Jahr feierte das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) das zehnjährige Bestehen des Lehrstuhls für Suchtforschung und der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin. Das Jubiläum bot einen feierlichen Anlass dafür, die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse des ZI und kooperierender Institutionen, Kolleginnen und Kollegen einmal im Zusammenhang darzustellen. Den über 200 Teilnehmern des Festsymposiums bot sich ein spannendes zweitägiges Programm mit aktuellen Forschungsergebnissen zur Suchtentwicklung (Schwerpunkte Alkohol- und Tabakabhängigkeit), zu genetischen Aspekten, zur Suchtentwicklung bei Jugendlichen, zur pharmakologischen Behandlung sowie zum Suchtgedächtnis. Mehr über die Inhalte einzelner Vorträge erfahren Sie ab Seite 48.

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