| Editoral
Wohnungslosigkeit
Elementare menschliche Bedürfnisse sind Sicherheit und körperliches Wohlbefinden. Erst wer diese erfüllt hat, kann sich um soziale Beziehungen, Anerkennung und Selbstverwirklichung kümmern. Obdachlose haben aber schon auf dieser grundlegenden Ebene häufig schwerwiegende Probleme. Zu der täglichen Sorge um einen sicheren Schlafplatz und ausreichend Nahrung kommen oft noch materielle Unterversorgung, gesundheitliche Probleme und nicht selten auch eine Sucht. Häufig sind soziale Bindungen schon vor langer Zeit abgerissen. Wie können solche Menschen erreicht werden? Mitunter sind die Betroffenen am sozialen Miteinander wenig interessiert, wenn Kompromisse geschlossen oder Auflagen für materielle Hilfen, wie z. B. „Hartz IV“, erfüllt werden sollen. Über Ansatzpunkte im Hilfesystem berichten unsere Titelbeiträge ab Seite 8.
Standardisierung
Im Zuge der länderübergreifenden Vereinheitlichung von Begriffen und um vorhandene Ressourcen möglichst effizient einzusetzen, werden im Gesundheitswesen wie in der Suchthilfe seit einigen Jahren Leitlinien und Standards zur Diagnostik und Behandlung weiterentwickelt. Hierbei handelt es sich um systematische Beschreibungen sowie Hilfen zur Entscheidungsfindung in komplexen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Transparenz in der Medizin. Ein neues Analyseinstrument in der medizinischen Rehabilitation Suchtkranker ist der ICF-AT 50 Psych. Marcus Breuer und Egid Roth stellen ihn in ihrem Beitrag ab Seite 20 vor.
Sucht in Europa
Am 6. November 2008 stellte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Brüssel ihren aktuellen Jahresbericht der Öffentlichkeit vor. Der Report umfasst Daten aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten, Kroatien, der Türkei und Norwegen und beschreibt detailliert die gegenwärtigen rechtlichen, politischen, sozialen und gesundheitspolitischen Maßnahmen. Einzelne Kapitel, die speziellen Drogen gewidmet sind, geben einen aktuellen europaweiten Überblick über Prävalenz und Konsummuster, Angebot und Verfügbarkeit, Behandlungen und andere Maßnahmen. Ergänzt werden sie durch Kapitel über folgende Themen: Strategien und Gesetze, Antworten auf die Drogenprobleme in Europa, Infektionskrankheiten und Todesfälle in Zusammenhang mit dem Drogenkonsum sowie neue Drogen und sich abzeichnende Tendenzen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse liefert der Bericht ab Seite 36.
Ihre Redaktion |