| Editoral
Was passiert im Gehirn?
Anhand von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neurobiologie, gewonnen durch den Einsatz von aktuellen Technologien wie bildgebenden Verfahren, können sich neue Möglichkeiten und Betätigungsfelder der Suchttherapie entwickeln. Forschungen kamen zu dem Schluss, dass Suchterkrankungen zentrale Regionen im Gehirn beeinträchtigen, in denen Prozesse wie Motivation, Gefühlssteuerung und Gedächtnisleistungen ablaufen. Suchtstoffe aktivieren Bereiche im Gehirn, die für Wohlbefinden oder gar euphorische Gefühlsregungen sorgen. Welchen Einfluss hat der Konsum von Suchtmitteln nun auf die Nervenzellen, welche neurobiologischen Vorgänge kommen dabei in Gang? Und schließlich, wie verarbeitet das Gehirn, diese komplexe und faszinierende Schaltzentrale im Kopf des Menschen, die Erfahrungen mit der Droge und welche Zustände (körperliche, äußere) begünstigen oder verstärken dabei die Wirkung? Antworten auf diese Fragen, die im besten Fall die therapeutische Arbeit mit den Klienten effektiver machen können, zeigt KONTUREN ab Seite 8 auf.
Fehler im System
Das Sucht-Selbsthilfesystem steht in Deutschland vor großen Problemen: Schwindende Mitgliederzahlen und zunehmende Überalterung lassen die Alarmglocken schrillen. Durch den so genannten „Pillenknick“ kommen nun die geburtenschwachen Jahrgänge in das Selbsthilfe-Einstiegsalter. Mit der Ausdehnung des „professionellen“ Suchthilfesystems und im Zuge damit entwickelten immer differenzierteren Behandlungsangeboten ist der Suchtselbsthilfe im Laufe der Jahre verstärkt Konkurrenz gewachsen. Hinzu kommen auch noch mittlerweile diverse Hilfs- und Beratungsangebote im Internet. Betroffene haben dort eine große Auswahl und können anonym bleiben. Unter diesen Vorzeichen ist ein Transformationsprozess innerhalb der Gruppen umso wichtiger, um wieder gezielt Zulauf von Interessierten zu bekommen. Schließlich gilt die Erkenntnis: „Selbsthilfe lebt von der eigenen Erfahrung, die eine gemeinsame Erfahrung ist“. Nachzulesen ab Seite 32.
HIV-Prävention in der Ukraine
Nicht nur politisch sorgt die Ukraine für Schlagzeilen. Es ist auch das in Europa am stärksten von HIV betroffene Land und gehört auch weltweit zu den Staaten mit der schnellsten Ausbreitung der Immunschwäche. HIV wird zum großen Teil durch gemeinsame Spritzen- und Nadelbenutzung von injizierenden Drogenkonsumenten übertragen. Das deutsch-ukrainische Programm zur AIDS-Prävention, das die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) durchführt, unterstützt wesentliche Reformprozesse in den Bereichen HIV-Prävention. Trotzdem zeichnet sich ein düsteres Bild am Horizont ab: Die Verbreitung von HIV setzt sich fort. In der Mehrheit der Regionen wächst die Zahl der infizierten Personen und der AIDS-Patienten, auch die AIDS-Sterberate nimmt zu. In den ersten beiden Quartalen von 2007 wurden mehr als 8.000 neue HIV-Infektionen registriert. Einblicke in die HIV-Problematik des osteuropäischen Landes gibt Dr. Ingo Ilja Michels ab Seite 40.
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