Editoral

Streit um den neuen Staatsvertrag

Das Thema Glücksspiel war in den letzten beiden Jahren häufig Gegenstand des öffentlichen Diskurses - nicht zuletzt durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag, der seit dem 1. Januar 2008 für ganz Deutschland gilt. Vorausgegangen waren heftige Auseinandersetzungen, die weit über einen üblichen politischen Streit aller Beteiligten hinausgingen. Zeit für KONTUREN, sich einmal mit diesem Thema zu befassen. Wie wird der Begriff „Glücksspiel“ in der medizinischen Forschung definiert und welche Kriterien sind für eine Diagnose maßgeblich? Ab wann kann von „pathologischem Glücksspiel“ gesprochen werden? Gibt es verschiedene Spielertypen? Wie weit sind die Probleme in der Bevölkerung verbreitet? Gibt es länderspezifische Unterschiede? Welche Möglichkeiten bieten Programme zur Prävention und Hilfe? Auf welchem Stand befindet sich die derzeitige Glücksspielsuchtforschung und welche Perspektiven bieten sich für die Zukunft? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen hat der neue Staatsvertrag geschaffen? Antworten auf diese Fragen geben unsere Titelbeiträge ab Seite 8.

Von Unternehmen und Interessen

Nicht erst seit der geplanten Schließung des Bochumer Nokia-Werks sind Unternehmen wiederholt negativ in die Schlagzeilen geraten. Öffentlicher Unmut regt sich unter anderem, wenn Firmen Gewinnmaximierung betreiben, aber keine Verantwortung für die Angestellten übernehmen. Und das Wort „Heuschrecken“ besitzt seit 2005 in der deutschen Sprache neben einer biologischen auch eine politische Dimension als abwertende Tiermetapher. Der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verglich das Verhalten mancher „anonymer Investoren“ mit Heuschreckenplagen, „die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben“. Eines der gravierendsten Beispiele für mangelndes Verantwortungsbewusstsein war das Verhalten des Unternehmens Union Carbide nach dem Giftgasunfall im indischen Bhopal im Jahr 1984. Es stellt sich die Frage, wie viel Ethik von Unternehmen in der heutigen Zeit erwartet werden kann. Hiermit beschäftigt sich unsere Kolumne ab Seite 35.

Drogenkonsum im Ländervergleich

Im November 2007 stellte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Brüssel ihren Jahresbericht der Öffentlichkeit vor. Der Report umfasst Daten aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen und der Türkei. Die Ergebnisse dieser Untersuchung finden sich in KONTUREN 6-2007. Ergänzt wurde der Bericht durch drei ausgewählte Analysen: Drogen im Straßenverkehr, Drogenkonsum und drogenbedingte Probleme bei Jugendlichen im Alter unter 15 Jahren sowie Auswirkungen des Kokain- und Crackkonsums auf die öffentliche Gesundheit. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse liefert der Bericht ab Seite 40.

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