Editoral

Arbeiten in Deutschland

Die hohe Arbeitslosigkeit ist seit langem ein wichtiges Thema hierzulande. Trotz anhaltender Bemü­hungen ist es Politikern und Institutionen wie der Bundesagentur für Arbeit bisher noch nicht gelun­gen, das Problem nachhaltig zu lösen. Zu den Verlierern im Kampf um freie Stellen gehören vor allem ältere Arbeitnehmer, gering Qualifizierte und allein erziehende Mütter. Die Folgen lang anhaltender Er­werbslosigkeit sind gravierend: Verarmung, Hoffnungslosigkeit, seelische und körperliche Erkrankungen oder auch eine Sucht sind keine Seltenheit. Steigende Arbeitszeiten und Arbeitsverdichtung führen bei einem Teil der Menschen, die noch Arbeit haben, zu Überlastung und Burnoutsymptomen. Gleichzeitig geht die Angst um, selbst den ungeliebten Job noch zu verlieren. Weil aber Arbeit Mangelware ist, hat der Einzelne oft nur wenige Möglichkeiten, aus den belastenden Lebensbedingungen auszubrechen. KONTUREN befasst sich ab Seite 8 mit krankmachenden Strukturen, ihren Folgen, globalen Zusam­menhängen und möglichen Lösungsansätzen für eine gerechtere Verteilung der Arbeit.

Rausch als Risiko und Herausforderung

Der Konsum von Rauschmitteln ist seit der Antike bekannt und bildet einen festen Bestandteil des menschlichen Alltags. Schon in altägyptischen Grabreliefs finden sich Darstellungen berauschter Gastmahlteilnehmer, die im Übermaß genossene alkoholische Getränke nicht mehr bei sich behalten können. Psychoaktive Substanzen beeinflussen die Wahrnehmung der Nutzer, die durch die Einnahme ihr Wohlbefinden steigern möchten. Der vorübergehende Verlust der bewussten Kontrollfähigkeit wird dabei in Kauf genommen oder sogar angestrebt. Besonders junge Menschen nutzen Rauschmittel inten­siv und lassen sich durch Präventionsprogramme nicht immer erreichen, besonders dann nicht, wenn diese den Konsum von Rauschmitteln in moralisierender Weise ablehnen. Neue Wege in der Suchtprä­vention stellt Professor Dr. Klaus Hurrelmann in seinem Artikel ab Seite 22 vor.

Drogenkonsum in China

Im 19. Jahrhundert hatte China große Probleme mit der steigenden Zahl Drogenabhängiger. Die Kolonialmacht England verschiffte in dieser Zeit tonnenweise Opium in das Land und verdiente gut daran, während die Bevölkerung zunehmend verelendete, so dass schließlich rund ein Viertel aller erwachsenen Chinesen opiatabhängig waren. Der Widerstand Chinas gegen diese Kolonialpolitik wurde in den beiden darauf folgenden Opiumkriegen blutig niedergeschlagen. Erst Anfang der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts, nach der Gründung der Volksrepublik China, konnte der weit verbreitete Konsum gestoppt werden und das Land galt jahrzehntelang als „drogenfrei“. Über die aktuelle Drogensituation und Drogenpolitik in der Volksrepublik China ist dagegen im Westen nur wenig bekannt. Dr. Ingo Ilja Michels, Leiter der Geschäftsstelle der Bundesdrogenbeauftragten, berichtet ab Seite 34 über seinen Auslandsaufenthalt in Shanghai.

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