Editoral

Von der Schwierigkeit, erwachsen zu werden

Als die „Generation Golf“ der heutigen Mit- und Enddreißiger noch zur Schule ging, wurden gute Schüler nicht selten als „Streber“ verspottet, auch wenn sie gar nichts für die Schule tun mussten. Und wer freiwillig lernte, um gute Noten zu bekommen, hatte es in den 80er-Jahren oft schwer, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Heute gelten Schulversager als „Loser“. Der 11-jährige Sohn einer Freundin beispielsweise hat in dieser Hinsicht schon ganz eigene Erfahrungen gemacht: Als ein Mitschüler in der Klasse unangenehm auffiel, entgegnete die Lehrerin bloß lakonisch: „Na ja - irgendeiner muss ja später auch die Straßen fegen und den Müll wegräumen!“ Solche Sprüche bleiben bei den Kids von heute hängen. Die Angst, später nur einen „Scheißjob“ zu bekommen, geht schon bei jungen Teenagern um. Die Welt, in der Kinder und Jugendliche heute leben, ist nicht heil: Die sozialen Abstiegsängste der Eltern prägen schon die Kinder. Arbeitslosigkeit führt zu Armut und betrifft die ganze Familie. In den Medien wird zunehmend die Gewalt an Schulen thematisiert und die Drogenkonsumenten werden immer jünger. KONTUREN stellt in den Titelbeiträgen ab Seite 8 verschiedene Problemlagen junger Menschen und Lösungsansätze dazu vor. Literaturtipps zum Thema gibt es auf den Rezensionsseiten 52 und 53.

Heroin auf Rezept

Die Heroinstudie ist abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor. Noch ist nicht entschieden, ob Heroin zukünftig als Medikament für schwerstabhängige Langzeitkonsumenten zugelassen wird oder nicht. Hierüber herrscht derzeit Uneinigkeit: Während sich Fachleute und Suchthilfeinstitutionen aufgrund der guten Studienergebnisse dafür aussprechen, gibt es auf Seiten der Politik noch Skepsis und Vorbehalte. Über den neuesten Stand der Dinge informiert unser Beitrag ab Seite 36 sowie eine Meldung auf der Seite 5.

Lieben Sie Rhetorik?

Politiker, Manager, Fernsehmoderatoren und Vertreter - sie alle haben eines gemeinsam: sie sind geschickte Redner. Aber nicht immer genießen sie uneingeschränkte Wertschätzung und Bewunderung für ihre Fähigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen, denn mancher Bürger hat bereits schlechte Erfahrungen mit gewieften Rednern gemacht. Die Kunst der Rhetorik existiert seit der Antike. Ihre Aufgabe war und ist es, die eigene Überzeugung möglichst effektiv zu einer allgemeinen zu machen, wobei das hierfür verwendete lateinische Wort persuadere sowohl „überreden“ als auch „überzeugen“ bedeutet. Weil sich aber niemand gern überreden lassen will, kann es hilfreich sein rhetorische Tricks und Kniffe zu kennen, um unlautere verbale Beeinflussungsversuche rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren. Eine Einführung in die Kunst des Redens gibt unsere Kolumne auf den Seiten 40 und 41.

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