Editoral

Wissensvermittlung.

Mit Psychoedukation werden Menschen behandelt, die an einer psychiatrischen Störung oder an einer Suchterkrankung leiden. Die Methode beruht im Wesentlichen auf zwei Grundelementen: der Vermittlung von Wissen über die eigene Erkrankung und einer psychotherapeutischen Behandlung. Die Patienten sollen letztlich zu Experten ihrer eigenen Krankheit werden und lernen, besser mit ihr umzugehen. Für den Bereich Suchthilfe gibt es seit einigen Jahren Manuale zur psychoedukativen Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen. Einige von Ihnen stellen wir in unseren Titelbeiträgen ab Seite 8 vor. Leider steht die Erfahrung mit der Psychodedukation im Rahmen der Heroinstudie (Leiter: Prof. Dr. Michael Krausz) noch aus. Die Studie läuft noch bis Ende 2005. Konturen wird das Thema zu einem späteren Zeitpunkt aufgreifen.

Erfahrungsaustausch.

Unter dem Motto „Prävention, Beratung und Behandlung“ fanden im Mai die 10. Suchttherapietage in Hamburg statt. Mit mehr als einhundert Veranstaltungen und siebenhundert Teilnehmern hat sich die Tagung inzwischen als Forum für einen zeitnahen und regelmäßigen Austausch zwischen Therapieforschung, innovativen Praxisprojekten und Suchttherapien etabliert. Hier werden neueste Trends der Suchttherapie und Suchtforschung vorgestellt und auch Themenfelder einbezogen, die die Rahmenbedingungen und Suchttherapie maßgeblich beeinflussen, wie Drogenpolitik, Ökonomie und Fragen der Prävention sowie Frühintervention. Mit dabei war unser Journalist Werner Loosen, der ab Seite 24 über die neuesten Entwicklungen aus Forschung und Praxis berichtet.

Wandel.

Die Lebensbedingungen in Deutschland ändern sich. Im 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist sogar von einem „tief greifenden ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel“ die Rede. Trotz gestiegener Scheidungsrate und Mangel an Arbeitsplätzen stellen sich viele Menschen unter einem „normalen Leben“ das Leben in einer materiell ausreichend versorgten Kleinfamilie vor. Sie besteht aus Vater und Mutter und ihren gemeinsamen Kindern. Der Mann verdient das Geld in einem festen Job, die Frau bleibt zumindest während die Kinder klein sind zu Hause. Aber wie viele Menschen leben tatsächlich heute so? Der Anteil der so genannten „Normalarbeitsverhältnisse“, also der unbefristeten Angestelltenverträge mit Vollzeitbeschäftigung, ist rückläufig. Immer mehr Menschen sind selbstständig, leben von Teilzeitjobs, zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen oder müssen mit Arbeitslosengeld II auskommen. Zur Förderung der sozial Schwachen steht der öffentlichen Hand weniger Geld zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Dies zieht soziale Folgeprobleme nach sich. Längst lebt nicht mehr jedes Kind mit beiden Elternteilen zusammen. Immer mehr Erwachsene sind kinderlos, allein erziehend oder leben mit neuen Partnern und deren Kindern in so genannten „Patchwork-Familien“. Was ist noch normal und wo liegen die Chancen und Risiken für den Einzelnen? Welche Probleme bringen Armut und Verknappung der staatlichen Ressourcen mit sich? Mit diesen Fragestellungen befassen sich unsere Beiträge ab Seite 29.

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