Rationalisierung
Ökonomische Aspekte gewinnen in der Gesundheitspolitik
immer mehr an Bedeutung. Um die vorhandenen finanziellen Ressourcen
möglichst effizient einzusetzen, werden seit einigen Jahren
Behandlungsleitlinien entwickelt. Hierbei handelt es sich um systematische
Hilfen zur Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen. Sie beruhen
auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie in der Praxis
bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der
Medizin. Leitlinien sind rechtlich für Ärzte nicht bindend,
haben also weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende
Wirkung. Im Unterschied dazu hat ein fachspezifischer Standard haftungsrechtliche
Bedeutung. Der Prozess der Leitlinienentwicklung ist noch nicht abgeschlossen:
einige Standards und Leitlinien gibt es bereits, andere werden gerade
erarbeitet. Den Stand der Leitliniendiskussion in verschiedenen Bereichen
der Suchthilfe stellen wir ab Seite 8 vor. KONTUREN wird das Thema
in den nächsten Jahren in unregelmäßigen Abständen
wieder aufgreifen. Artikel hierzu sind seitens der Redaktion sehr
willkommen und können publiziert werden.
Prävention
Nicht immer sind große Geldsummen oder
umfangreiche, durchgeplante Kampagnen erforderlich, um erfolgreich
Präventionsarbeit zu leisten. Ansatzmöglichkeiten finden
sich auch im Kleinen. Die Aktion Mensch fördert seit Anfang
April 5.000 Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit mit bis zu 5.000
Euro. Ein Teil der Fördergelder steht noch zur Verfügung,
weitere Projektanträge können eingereicht werden. Auch
Projekte in Zusammenhang mit Suchthilfe und Suchtprävention
werden gefördert. Prävention vor den Gefahren einer Abhängigkeit
muss sich aber nicht ausschließlich auf die Aufklärung über
Rauschmittel und deren Wirkung beschränken. Wo junge Menschen
alternative Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung haben,
müssen sie nicht zu Drogen greifen, wenn sie sich langweilen
oder wenn es ihnen einmal schlecht geht. Einige besonders gelungene
Projekte werden ab Seite 28 beschrieben.
Prohibition
Amerikanische Jugendliche wachsen anders mit
Alkohol auf und konsumieren ihn anders als junge Menschen in Deutschland.
Gründe hierfür liegen unter anderem in den gesetzlichen
Rahmenbedingungen des Landes: Selbst jungen Erwachsenen ist bis zu
einem bestimmten Alter der Konsum von Alkoholika verboten. Trotzdem
trinken junge Amerikaner nicht signifikant weniger als ihre Altersgenossen
in Europa. In der amerikanischen Alkoholpolitik wird das Phänomen
Binge Drinking (wörtlich: „exzessives Rauschtrinken“)
als problematisch wahrgenommen. Verstöße gegen die gesetzlichen
Normen werden hart bestraft. Dies wiederum hat Auswirkungen auf das
Trinkverhalten, wobei nicht notwendigerweise zur Abstinenz übergegangen
wird. Prof. Dr. Gundula Barsch untersuchte im Rahmen eines Forschungssemesters
das Trinkverhalten amerikanischer Jugendlicher und junger Erwachsener.
Die Ergebnisse finden sich in unserem Interview ab Seite 40.
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