Editorial

Differenzierung.

Der Begriff Doppeldiagnose bezeichnet das gemeinsame Auftreten einer Abhängigkeit oder eines Missbrauchs von einer oder mehreren psychotropen Substanzen bei gleichzeitigem Vorliegen mindestens einer anderen psychischen Störung. Die Schweregrade der Erkrankung können dabei völlig unterschiedlich ausfallen: Ein heroinabhängiger arbeits- und obdachloser Mensch mit einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie wird ebenso als Patient mit einer Doppeldiagnose klassifiziert wie eine sozial integrierte Person, die an Depressionen und Alkoholmissbrauch leidet. An dieser Stelle sind differenzierte Behandlungskonzepte gefragt, die den jeweiligen Störungen gerecht werden. Von den über 100 im DSM-IV beschriebenen nicht-substanzinduzierten psychischen Störungen sind Psychotische Störungen, Affektive Störungen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen bei Doppeldiagnose-Patienten am häufigsten und damit am relevantesten. Behandlungsansätze hierfür stellen wir ab Seite 8 vor.

Alternative.

Präventionsarbeit muss nicht anstrengend sein, belehren oder abschrecken - sie darf auch Spaß machen! Die Aussichten auf Erfolg sind dann sogar ungleich besser, denn wer freiwillig und gern etwas tut, ist auch eher offen für neue Anregungen. Kunst bietet viele Möglichkeiten zur Selbsterfahrung und zur Auseinandersetzung mit eigenen Wünschen und Wertvorstellungen. Dass sie noch mehr kann, nämlich Alternative zur Sucht sein, zeigt unser Bericht ab Seite 18.

Bestandsaufnahme.

Der deutsche Staat ist knapp bei Kasse. Die Zahl der Bedürftigen steigt, während öffentliche Gelder immer weniger zur Verfügung stehen. Der Druck auf das Hilfesystem nimmt zu. Mitarbeiter von Suchthilfeeinrichtungen befürchten, dass die Aufgaben in der Zukunft möglicherweise zu ihren Ungunsten neu verteilt werden. Konfliktpotenziale zeichnen sich schon jetzt ab. Um die Problembereiche zu benennen und möglichst frühzeitig konstruktive Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, trafen sich Vertreter der Sucht-Selbsthilfe und der professionellen Hilfe Ende April auf einer Konferenz. Über die Ergebnisse dieser Zusammenkunft informiert unser Interview ab Seite 21.

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