Haus Hohenlinden

Hohe Vermittlungsquote bei Ausbildungs- und Arbeitssuche

Berufliche Integration für Drogenabhängige.

rehaOb eine Suchttherapie erfolgreich ist hängt in entscheidendem Maße von der Integration suchtkranker Menschen ins Arbeitsleben ab. Als zentraler Lebensbereich besitzt Arbeit für jeden Menschen einen großen Stellenwert für seine Selbstverwirklichung und sein Selbstwertgefühl. Die Zahl der arbeitslosen Klienten wächst von Jahr zu Jahr. Hinzu kommen Patienten, deren Arbeitsplatz durch die Suchtproblematik gefährdet ist. Bei einigen wird schon während der Therapie erkennbar, dass eine berufliche Wiedereingliederung nur gelingen kann, wenn zuvor berufsfördernde Leistungen beziehungsweise eine Ausbildung erfolgen. Der Aufenthalt in der Adaption reicht zeitlich allein oft nicht aus, den Anschluss auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Relativ früh sollte deshalb innerhalb der Therapie ein nahtloser Übergang in die berufliche Rehabilitation geschaffen werden. 
Arbeitslosigkeit gefährdet in hohem Maße den Rehabilitationserfolg, die Rückfallgefährdung steigt auf das Doppelte an wie bei beschäftigten Abhängigen. Trotz dieses Wissens gelingt es nur wenigen Einrichtungen in der Suchtkrankenhilfe, die Weichen für eine berufliche Rehabilitation so frühzeitig zu stellen, dass sie ihre Klienten mit einer beruflichen Zukunft entlassen. Unabdingbare Voraussetzungen dafür, die auch im Konzept der Einrichtungen verankert sein sollten, sind eine qualifizierte Arbeitstherapie und eine enge Kooperation mit den entsprechenden Fachdiensten der örtlichen Arbeitsämter.
Im Haus Hohenlinden sind diese Voraussetzungen erfüllt. Durch jahrelange gute Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Mayen, die Entwicklung vielfältiger Kontakte zu Firmen in der Region und arbeitstherapeutischer Ziele unter Berück-sichtigung des beruflichen Hintergrundes der Klienten, kann die Einrichtung Haus Hohenlinden 95 (Stand: 2000/2001) Prozent aller Klienten in eine Ausbildung beziehungsweise in einen Beruf nach der Therapie entlassen.

Qualifizierte Arbeitstherapie
Im Konzept der Einrichtung Haus Hohenlinden heißt es dazu: „Das vordringliche Ziel unserer Behandlung ist die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit und berufliche Rehabilitation unserer Patienten. Deshalb ist die Arbeitstherapie ein wesentliches Element im therapeutischen Angebot unserer Fachklinik. Wir sehen die meistens vorhandene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit Drogenabhängiger als Folge mehrerer Faktoren an:
• Lebensgeschichte
• Persönlichkeitsstruktur
• Krankheitsentwicklung und -verlauf
• Familiäres und soziales Umfeld
• Somatische Vorerkrankungen/Folgeerscheinungen der Sucht

Entsprechend der ganzheitlichen Sichtweise soll die Arbeitstherapie zu einer Stabilisierung der Gesamtpersönlichkeit führen. Daher werden sowohl die arbeitsinstrumentellen Grundarbeitsfähigkeiten als auch die sozio-emotionalen Kompetenzen gefördert.“
Wie in den anderen Bereichen wird auch hier eine auf die individuelle Persönlichkeit abgestimmte Zielformulierung vorgenommen. Zu den wesentlichen Zielen der Arbeitstherapie in der Remagener Einrichtung gehören:
• Kennenlernen unterschiedlicher Arbeitsbereiche; Entwicklung eigener beruflicher Fähigkeiten und Interessen
• Förderung einer realistischen Selbsteinschätzung bezüglich der eigenen Leistungsfähigkeit
• Förderung der Grundarbeitsfähigkeiten (Ausdauer; Belastungsfähigkeit; Flexibilität; Konzentration; Lernfähigkeit; Problemlösefähigkeit und Zuverlässigkeit)
• Förderung sozialer Kompetenzen im Arbeitsbereich (Teamarbeit; Umgang mit Autoritäten; Umgang mit Frustration und Konflikten; Fähigkeit, andere anzuleiten)
• Förderung von Verantwortungsbewusstsein bezüglich der zur Verfügung gestellten Werkzeuge, Materialien etc.
• Unterstützung beruflicher Neuorientierung durch Arbeitstraining und Arbeitserprobung, ab der vierten Phase durch externe Praktika, Arbeitsprojekte und Schulerprobungen.

Zu Beginn der Behandlung wird deshalb mit jedem Patienten durch ein ausführliches Anamnesegespräch und einem hausintern entwickelten Fragebogen ein arbeitsanamnestischer Befund erhoben. Dieser enthält motorische, perceptionelle, psychisch- emotionale und soziokommunikative Aspekte sowie instrumentelle Grundarbeitsfähigkeiten.

back In der Bäckerei und Konditorei Helmut Müller in Remagen befindet sich Holger S. auf einer Praktikumsstelle. Herr Müller bildet auch Lehrlinge aus und arbeitet schon lange mit Haus Hohenlinden zusammen. 
garten Der Remagener Toom Baumarkt bildet Lehrlinge aus, die Chancen auf eine Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis sind gut. Der Ansprechpartner im Betrieb, Herr Düwell, arbeitete früher selbst in der Drogenrehabilitation. Joel G. führt zur Zeit sein Praktikum im Gartencenter durch.

gruen

Die Firma Grünbau aus Remagen arbeitet schon seit 1995 mit dem Haus zusammen. Sie bildet aus, bietet Praktikumsstellen an und übernimmt auch Lehrlinge, zur Zeit absolviert dort Andre P. (rechts) sein Praktikum. Florian P. (links) befindet sich nach seinem Praktikum jetzt im dritten Lehrjahr.

honda

Michael R. arbeitete in der Honda G. & J. Autoservice GmbH, Oberwinter, im zweiten Lehrjahr mit guter Aussicht auf Übernahme. Auch hier werden außerdem Praktikumsplätze für Klienten angeboten.

kon

Der Großhandel für Weihnachtsbeleuchtung und Gartenmöbel, Gnosjö Konstsmide GmbH in Remagen kooperiert seit 1995 eng mit dem Haus Hohenlinden und hat durchweg positive Erfahrung mit Patienten gemacht. Weiter Praktikantenstellen wurden in Aussicht gestellt, auch die Übernahme nach dem Praktikum ist möglich. Gegenwärtig absolviert Jürgen B. dort sein Praktikum.
handel In der Firma Bahles (Landhandel) in Bad Neuenahr/Ahrweiler wurde Thorsten D. nach Abschluss eines vierwöchigen Praktikums fest angestellt. Herr Bahles kündigte an, auch weiteren Patienten einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen.
cari Die Caritas Werkstätten St. Elisabeth bieten Praktikumsplätze an und bilden Lehrlinge im Beruf Heilerziehung aus. Jörg S. (3.v.l.) führt momentan in den Werkstätten sein Praktikum durch.

Die Umsetzung der daraus resultierenden individuellen Ziele erfolgt in den vorhandenen Arbeitsbereichen:
Küche, Wäscherei und Recycling, Renovierung, Holzwerkstatt, Töpferei/Kunstwerkstatt, Garten und Imkerei, Kommunikation und Bewerberpost.

Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten in den Arbeitsbereichen beträgt zwei bis drei Monate. Die dabei angewandten ergotherapeutischen Methoden sind ausdrucks-, interaktions- (z.B. Malen, künstlerisches Töpfern) oder kompetenzzentriert (z.B. Herstellen von Möbeln oder Gebrauchskeramik). Außerdem finden regelmäßig Projektarbeiten statt. In Zusammenarbeit mit den Patienten wird der Verlauf der Arbeitstherapie regelmäßig dokumentiert, überprüft und bei Bedarf die Ziele und Methoden modifiziert.

Berufliche Rehabilitation
Die berufliche Rehabilitation nimmt als wesentlicher stabilisierender Faktor einen hohen Stellenwert im therapeutischen Gesamtkonzept ein. Bekanntermaßen besteht eine hohe Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Rückfällen nach Therapieende. Ziel ist deswegen, dass der Patient eine realistische berufliche Perspektive entwickelt. Dazu wird von seinem individuellen beruflichen Entwicklungsstand unter Berücksichtigung seiner sozialen Ressourcen ausgegangen. Außerdem erhält der Patient die Möglichkeit, erste aktive Schritte in das Berufsleben hinein zu unternehmen. Von der anfänglichen Planung bis zur Aufnahme einer Praktikums- oder Arbeitsstelle steht die Einrichtung in Remagen ihren Patienten beraterisch und durch die Vermittlung von Informationen zur Seite. 

Seit acht Jahren kommt der Berufsberater des Arbeitsamtes Mayen, Dieter Zimmermann (großes Foto, rechts) alle vier bis sechs Wochen nach Remagen in das Haus Hohenlinden, um die Bewohner bei der Suche nach einer beruflichen Perspektive zu beraten und zu unterstützen. In einem ersten Gespräch (kleines Foto, unten) verschafft er sich einen Überblick über die schulischen und beruflichen Voraussetzungen, über Ausbildungswünsche. Gemeinsam mit dem Verantwortlichen für die berufliche Rehabilitation in der Einrichtung, dem Ergotherapeuten Wolfgang Thelen (kleines Foto, oben), bespricht er die nächsten Maßnahmen von der Praktikumssuche über Umschulungsmaßnahmen bis zur Kontaktaufnahme mit den verschiedenen Betrieben.

Kooperation mit dem Arbeitsamt

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Gerlinde Baban, Ärztin,  leitet seit 1993  die Einrichtung Haus Hohenlinden  in Remagen.

Unterstützt werden sie außerdem von einem Berufsberater des Arbeitsamtes Mayen, der im Haus regelmäßige Sprechstunden anbietet. Seit acht Jahren kommt Dieter Zimmermann alle vier bis sechs Wochen in die Einrichtung zu den Klienten. Die vertraute Atmosphäre des Hauses schafft seiner Erfahrung nach eine gute Basis für ein Erstgespräch bezüglich der beruflichen Perspektive. Viele Patienten haben eine große Hemmschwelle, zum Arbeitsamt zu gehen und persönliche Probleme dort zu offenbaren.
Im ersten Kontakt verschafft sich Dieter Zimmermann einen Überblick über die beruflichen Voraussetzungen der einzelnen Klienten. Oft wurde die Berufsausbildung nicht regulär beendet, sodass es darum geht, den fehlenden Abschluss nachzuholen oder generell einen anderen Ausbildungsberuf zu wählen. Mit ihm werden weiterführende Maßnahmen, die gegebenenfalls in Umschulung, berufliche Aus- und Weiterbildung oder Berufsrückkehr münden, besprochen. Die Bearbeitung im Amt dauert in der Regel nur drei bis vier Tage, die Rückmeldung in die Einrichtung erfolgt sofort. Sind sich Berufsberater und Klient gemeinsam nicht sicher, ob die gewünschte Berufsrichtung auch den Fähigkeiten des Klienten entspricht, wird in Einzelfällen in Kooperation mit dem Arbeitsamt auch eine berufliche Leistungsdiagnostik durchgeführt, um die Eignung eines Patienten für bestimmte Berufe oder Ausbildungen zu überprüfen. Das Ergebnis kann auf Wunsch den Bewerbungsunterlagen ergänzend beigefügt werden. In die Zusammenarbeit sind weiterhin die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Koblenz eingebunden, die bei der Vermittlung von Ausbildungsbetrieben unterstützen können.
Zu den Instrumenten auf der Vermittlungsebene gehören auch Arbeitstrainingsmaßnahmen, das heißt die probeweise Mitarbeit in Firmen und das Arbeitsmarkt-Service-Center, wo nach bestimmten Stellen und beruflichen Voraussetzungen recherchiert und Internetkurse genutzt werden können.
Der Verlauf der beruflichen Integration wird durch die Einrichtung und das Arbeitsamt fortlaufend in einer Rehabilitationsakte dokumentiert und evaluiert. Ca. 300 Klienten hat Dieter Zimmermann im Verlauf der letzten Jahre beraten und vermittelt.

Job-Training
Für die Patienten der intensiven Therapiephase findet einmal wöchentlich eine sozial-integrative Gruppe (á 90 Minuten) statt. In dieser werden u. a. die Gespräche der Berufs- und Arbeitsberatung ausgewertet, Ergebnisse der beruflichen Neuorientierung und Eignungstests besprochen und reflektiert. Ebenso werden im Rollenspiel Bewerbungs- und
Vorstellungsgespräche eingeübt. Zudem wird gemeinsam überlegt, in welchem Betrieb ein die Berufsfindung unter- stützendes Praktikum absolviert werden soll. 

Weitere Inhalte bestehen auch in dem Zusammentragen der noch fehlenden Bewerbungsunterlagen, der Information über Berufsmöglichkeiten sowie Klärung von Qualifizierungsvoraussetzungen, Information über weitere Schritte und Motivierung. Ebenso werden die Patienten angeleitet, eine schriftliche Bewerbung am Computer zu erstellen. Alle Maßnahmen sind auch mit den bestehenden Nachsorgeeinrichtungen vernetzt.

Kooperationen in der Region
Durch die langjährige Tätigkeit der Einrichtung haben sich in der Region vielfältige Kontakte zu Firmen entwickelt. Mittlerweile ist ein Pool von Firmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen entstanden, der den Patienten Praktikums-, Ausbildungs- und auch Arbeitsplätze anbietet und in der Betreuung mit der Einrichtung zusammen- arbeitet. Zur Zeit kooperiert das Haus Hohenlinden mit über 50 regionalen Firmen, die sich auch während eines „Firmen-Info-Tages“ in der Klinik über das Krankheitsbild Sucht und mögliche Verhaltens- und Präventionsmaßnahmen informieren konnten. 
Viele Klienten haben keine oder nur sehr eingeschränkte berufliche Vorerfahrungen und sind in keiner Weise beruflich qualifiziert. Andere sind in ihrer Belastbarkeit noch eingeschränkt oder waren schon lange nicht mehr in ihrem Beruf tätig.
Deswegen besteht ab der Adaptionsphase für alle Patienten die Möglichkeit, Praktika in diesen Firmen zu machen (über vier bis sechs Wochen). Hierzu findet mindestens ein gemeinsames Gespräch mit dem Praktikumsbetreuer der Firma, dem Patienten und dem zuständigen Ergotherapeuten statt, in welchem die gemeinsamen Ziele und Möglichkeiten festgelegt werden. Abschließend erhält der Patient als Feedback eine detaillierte Beurteilung der Firma, die mit ihm besprochen wird und unter Umständen in seine weitere Berufsplanung mit einfließt. 
Nach Absolvieren der Berufspraktika oder Schul- besuche sind die Patienten in Arbeitsprojekte sowohl im Haupthaus als auch in der Adaptionsgruppe eingeplant. Diese Projekte orientieren sich an üblichen Zeit- und Leistungs- rahmen des regulären Arbeitsmarktes.
Positiv für die beruflichen Rehabilitationsvorhaben von Haus Hohenlinden ist ohne Zweifel die gute Arbeitsmarktsituation, die sich vom bundes- deutschen Trend mit einer sehr geringen Arbeitslosenzahl abhebt. Der Arbeitsmarkt im Remagener Umland ist außerdem handwerklich geprägt und kommt so dem Interesse der Klienten, überwiegend in handwerkliche beziehungsweise gestalterische Berufszweige nach der Therapie zu gehen, entgegen. Seitens der Firmen herrscht ein großes Verständnis gegenüber der Situation der drogenabhängigen Klienten und die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch nach negativen Erfahrungen Firmen wieder Praktikanten oder Auszubildende aus Remagen aufnehmen. Dies ist ein Ergebnis der langjährigen Kooperation zwischen Einrichtung und Region, in der Vertrauen aufgebaut, Information weitergegeben und Verständnis entwickelt worden ist.

Evelyn Löscher

Zum Kurzinfo Haus Remagen

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