Drogenhilfe online
Drogenberatung auf drugcom.de
„Also, ich habe mit 13 angefangen zu kiffen und zu rauchen, dann mit 14 die erste Nase Pep gezogen, so ungefähr dann nen halbes Jahr lang. Dann für ein bis zwei Jahre nichts (...) dann nach acht Monaten haben wir voll viel weggemacht und dann hat ich voll die Paras bekommen, konnte meine besten Freunde morgens nicht ertragen. Ich dachte, die wollten mir was ...“ Im Laufe des Chat-Gesprächs kommen weitere Problemkomplexe zum Vorschein wie körperliche Komplikationen in Folge des Drogenkonsums und Alkoholismus in seiner Familie. Derart vielschichtige Problemlagen sind keine Seltenheit in der Online-Beratung. Aus Sicht der Berater/innen gilt es, ein empathisches Klima im virtuellen Raum zu schaffen, in dem sich die Klienten angenommen fühlen und sich auf einen Dialog mit dem/der Berater/in einlassen. Häufig stellt sich dabei heraus, dass weitergehende Hilfen wie der Besuch einer Drogenberatungsstelle vor Ort ratsam wären. Dabei ist eine behutsame motivierende Gesprächsführung notwendig, da die Klienten nicht ohne weiteres bereit dazu sind, Hilfe auch außerhalb des Internets in Anspruch zu nehmen.
Ziele der Online-Beratung auf drugcom
Mit dem Internetportal www.drugcom.de macht die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung BZgA jugendlichen Drogenkonsumenten und Jugendlichen, die mit
dem Drogenkonsum von Freunden und Bekannten konfrontiert werden, ein Informations-
und Kommunikationsangebot. Hier „blättern“ täglich etwa
400 bis 500 Besucher in einem Drogenlexikon, überprüfen ihr Wissen
in Bezug auf Alkohol, Ecstasy oder anderer Substanzen oder treten relativ unkompliziert
in Kontakt mit einem/einer professionellen Berater/in. Pädagogisch betrachtet
verfolgt drugcom das Ziel, nicht durch den „erhobenen Zeigefinger“,
sondern durch eine akzeptierende Haltung und behutsames Hinterfragen, Jugendliche
dazu anzuregen, sich selbstkritisch mit dem Thema Sucht und Drogen auseinander
zu setzen und eigene Konsummuster zu überprüfen. Diese Haltung findet
sich sowohl in den Infotexten (vor allem in den drugtests), in dem Verhaltenstest
zum Alkoholkonsum als auch in der Online-Beratung wieder.
Organisation der Online-Beratung
Ein wesentliches Merkmal der Beratung bei drugcom ist Offenheit und schnelle
Hilfe. Jederzeit kann eine Beratungsanfrage per E-Mail an das drugcom-Team
gesendet werden. In der Regel ist mit einer Bearbeitungszeit von maximal zwei
Werktagen zu rechnen. Live-Beratung gibt es täglich von Montag bis Freitag
zwischen 15 bis 19 Uhr im drugcom-Chat, und jeder, der ein persönliches
Problem besprechen möchte, kann mit dem/der Berater/in in den one-to-one-Bereich
wechseln.
Durchschnittlich „betreten“ etwa 100 bis 120 drugcom-Nutzer pro
Monat den Chatbereich. Einige von ihnen nutzen den Chat dazu, sich mit anderen
auszutauschen oder mit der Beraterin zu diskutieren. Die Mehrzahl der Chat-Besucher
sucht jedoch das Einzelgespräch mit der Beraterin. Hierzu steht ein separates „Beratungszimmer“ zur
Verfügung, das für andere drugcom-Besucher nicht einsehbar ist. Das
drugcom-Team ist multiprofessionell zusammengesetzt und besteht aus:
Dr. Peter Tossmann, Dipl.-Psych.,
Sandra Harthun, Dipl.-Soz.Päd.,
Dr. Eva Milz, Ärztin
Evi Schäfer, Dipl.-Päd. und
Marc-Dennan Tensil, Dipl.-Psych.
Nutzer der Online-Beratung
In ungefähr zwei Drittel aller Beratungsfälle geht es um eine eigene Problematik. In den anderen Fällen suchen Angehörige Rat und Hilfe. Beispiel: „Hallo - ich habe meinen Freund ertappt. Heute morgen fand ich einen entrollten Geldschein mit weißem Staub darin. Er sagte mir, er hätte nichts genommen. Würde ihm gerne glauben, fällt aber schwer - was soll ich tun?.“ Angehörige empfinden in Fällen wie diesem meist eine große Unsicherheit. Häufig gehen die Sorgen um die Gesundheit des Partners, des Freundes oder des Kindes einher mit einem Vertrauensverlust, weshalb die Beratung meist über die Kommunikation über Drogen hinausgeht. Differenziert man Fragen der Klienten thematisch nach den angesprochenen Substanzen, so zeigt sich, dass etwa die Hälfte aller Beratungen mit Fragen zum Cannabiskonsum beschäftigt waren. Etwa jede fünfte Beratung bezog sich auf Fragen und Probleme des Alkohol- bzw. Ecstasykonsums. Interessanterweise wurde die unter Jugendlichen vergleichsweise weit verbreitete Substanz Nikotin nur in 4,3 Prozent aller Beratungen thematisiert. Offenbar besteht hier wenig Informationsbedarf beziehungsweise wenig Motivation, sich damit auseinander zu setzen. Oftmals bestand Beratungsbedarf zu mehreren Substanzen.
Thema der Beratung differenziert nach Substanz
Vorteile der Online-Beratung
Obgleich das Internet in den letzten Jahren eine signifikante Verbreitung in großen Teilen der Bevölkerung erfahren hat, ist die psychosoziale Beratung beziehungsweise die Drogenberatung via Internet noch immer eine vergleichsweise junge Disziplin. Nach etwa 1,5 Jahren Erfahrung mit der Onlineberatung auf www.drugcom.de lassen sich dennoch schon jetzt zumindest drei Vorteile benennen.
1. Zuerst einmal muss festhalten werden, dass die Online-Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene sehr unkompliziert genutzt werden kann. Keine Anrufe, keine Terminabsprachen, keine Anfahrtswege und damit verbundener Zeit- und Organisationsaufwand. Vorausgesetzt ein Internetzugang ist vorhanden, stellt die Onlineberatung ein besonders niedrigschwelliges Angebot für Drogenkonsumenten dar.
2. Eng verknüpft damit ist der Aspekt der Anonymität der Beratung. Auch wenn das Internet bis heute keine absolute Datensicherheit gewährleisten kann, wurde im Rahmen der technischen Umsetzung von drugcom.de darauf geachtet, den bestmöglichen Sicherheitsstandard einzulösen. Die durch das Internet mögliche Anonymität eröffnet jungen Ratsuchenden die Möglichkeit, sich ohne Scheu oder Scham mit ihrem Anliegen an Professionelle zu wenden.
3. Betrachtet man die im Rahmen der Onlineberatung vorgetragenen Konflikte oder Problemlagen so wird sehr schnell ein weiterer Vorteil dieser Form der psychosozialen Beratung offensichtlich. Die niedrige Hemmschwelle zur Teilnahme an der Online-Kommunikation kann vor allem als eine Chance betrachtet werden, in einem vergleichsweise frühen Stadium des Drogenkonsums beziehungsweise in einer frühen Konflikt- oder Problemphase, Kontakt zu den jugendlichen Konsumenten herzustellen und so recht früh zu intervenieren. Aus subjektiver Sicht der Ratsuchenden dürften viele der in die Onlineberatung eingebrachten Konflikte (noch) nicht zur Kontaktaufnahme zu einer Drogenberatungsstelle Anlass geben. Aber in vielen Fällen kann die Onlineberatung nur ein erster Schritt sein und die psychosoziale Beratung vor Ort nicht ersetzen. In diesem Sinne ist die Onlineberatung von drugcom als eine erste Kontaktstelle zu begreifen, wo Jugendliche zur Aufnahme weitergehender Hilfen angeregt und motiviert werden.
Peter Tossmann