EDITORIAL

Aufsuchen statt abwarten.
Aufsuchende Drogenarbeit ist ausgerichtet auf eine niedrigschwellig angelegte begleitende Stützung von Menschen, unter Verzicht auf einen Anspruch auf Drogenfreiheit. Über diese Ansätze wird das System der Drogenhilfe mit der Lebenswelt der Drogenkonsumenten rückgekoppelt. Streetwork versteht sich als Bindeglied zwischen den Problemfeldern in der Szene und dem System der Drogenhilfe und steigert damit auch die Akzeptanz von professionellen Hilfeangeboten auf Seiten der Drogenkonsumenten. Aufsuchende Arbeit war zunächst ein Element der Jugendhilfe, bevor es auch in der Drogenhilfe adaptiert wurde. Dabei orientiert es sich im Wesentlichen auf die offene Drogenszene und wird von professionellen Fachkräften betrieben. Über die Entwicklung von Streetwork in Deutschland, die Perspektiven von Streetwork speziell in der Drogenszene und über neu ausgerichtete Praxisansätze von aufsuchender Drogenarbeit berichten wir ab Seite 8.



Präventionstheorie.
Von vielen Präventionsvorhaben wird heute erwartet, dass sie bestimmte soziale und medizinische Probleme verhindern helfen. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass diese Probleme in der Regel durch unzählige Faktoren beeinflusst werden. Viele dieser Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, weil sie zentrale Werte der Gesellschaft verkörpern. Trotz des ungebrochenen Rufs nach mehr Prävention durch die Öffentlichkeit, scheint diese zur Zeit nicht bereit zu sein, Projekte zu befördern, welche bei den tiefer liegenden Ursachen für die zu verhindernden Probleme ansetzen. Stattdessen setzt man nach wie vor auf Einzelinterventionen, die niemanden groß belasten. Wie eine Prävention aussehen könnte, welche diese unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten zu realisieren versucht, entwickelt Martin Hafen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule für soziale Arbeit in Luzern (ab Seite 16)..



Präventionspraxis.
Der Markt der suchtprophylaktischen Möglichkeiten bietet eine Fülle von primär- und sekundärpräventiven Maßnahmen und Projekten. Groß angelegte und teure Massenkampagnen ohne nachhaltige Wirksamkeit, kreative Projekte mit nachahmenswertem Modellcharakter, aufgepeppte Blender und Eintagsfliegen ohne fundierte konzeptionelle Grundlagen sowie seriöse Dauerbrenner und fachlich erprobte Langzeitmaßnahmen. Auch Projekte mit hohem evaluativem Aufwand erzielen nicht immer sichtbaren Erfolg. Andere Maßnahmen blühen eher still und leise vor sich hin und entwickeln völlig selbstverständlich aus ihrer Eigendynamik heraus allseits bestätigte Langzeitwirkungen. Ein schulpräventives Projekt erster Wahl, das längst aus seiner Modell- beziehungsweise Erprobungsphase herausgewachsen ist, stellt Helmut Kuntz, Familien- und Körpertherapeut, vor (ab Seite 20).


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