Intensivbetreuung mit Hausanschluss.
Alternative zur geschlossenen Abteilung im Bezirkskrankenhaus
Chronisch suchtkranke Menschen, die auf Grund eines hohen Rückfallrisikos geschlossen betreut werden müssen, befinden sich bundesweit in den jeweiligen Abteilungen der Bezirkskrankenhäuser der Region. Sie werden entgiftet, medikamentös eingestellt, therapeutisch betreut und nach ein paar Wochen oder Monaten wieder entlassen. Viele werden wieder rückfällig, Fachleute sprechen von den so genannten Drehtürpatienten. Eine Alternative bietet jetzt die „Laufer Mühle“ mit ihrem Konzept der „Intensivbetreuung“.
Erweiterung des Gesamtkonzeptes
Die Einrichtung im fränkischen Adelsdorf betreut bereits seit zwölf
Jahren chronisch suchtkranke Menschen. Das sehr differenzierte Gesamtkonzept,
das verschiedene Angebote von der therapeutischen Lebensgemeinschaft, über
Außenwohngrup-pen, betreutes Wohnen und unterschiedlichste handwerkliche,
land- und hauswirtschaftliche Arbeitstherapiebereiche bis zur beruflichen Qualifizierung
und Anstellung in den Integrationsbetrieben vorhält, wird jetzt um ein
Angebot der „Intensiv-betreuung“ erweitert.
Ab 4. März 2002 werden auch Menschen, die auf Grund eines Unterbringungsbeschlusses,
intensiv und teilweise geschlossen betreut werden müssen, in der „Laufer
Mühle“ aufgenommen. Mit fünf zusätzlichen Plätzen
und acht neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern startet das bundesweit einmalige
Projekt einer „Intensivbetreuung“ mit so genanntem Hausanschluss.
Eingebettet in das Gesamtkonzept soll die intensive sozio- und psychotherapeutische
Betreuung in einem sucht- und gewaltfreien Lebensraum die Patienten für
die weiterführenden Angebote der stationären Einrichtung motivieren
und befähigen. Um den Ansprüchen einer Intensivabteilung zu genügen,
wurde im Neubau der Einrichtung eine Etage für die fünf Patienten
und das Team hergerichtet. Zwei Doppelbettzimmer und ein Einbettzimmer für
die Patienten, ein Büro mit Schlafgelegenheit für den Nachtdienst
und eine Küche mit Esszimmer stehen zur Verfügung. Langfristig sind
vom Bezirk Mittelfranken insgesamt 16 Therapieplätze genehmigt worden.
Zu diesem Zweck wird der alte Mühlenkomplex der Einrichtung umgebaut.
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Michael Thiem. „Wir wollen mit dem neuen Konzept unsere Patienten und Patientinnen nicht verwahren sondern begleiten, beraten und motivieren." |
Wer wird betreut?
Die Zielgruppe sind chronisch abhängige Süchtige, meist mit einer zusätzlichen psychischen Erkrankung, die auf Grund einer massiven Eigen- oder Fremdgefährdung durch einen Unterbringungsbeschluss intensiv betreut werden müssen. Diese Menschen verweigern die Nahrungsaufnahme, sind zum Teil verwahrlost, können dringend benötigte Medikamente nicht dosiert einnehmen, leiden unter Depressionen und sind häufig stark suizidgefährdet. Die bundesweit gängige Praxis führt diesen Personenkreis in der Regel in eine geschlossene Abteilung eines Bezirkskrankenhauses, wo eine Akutversorgung eingeleitet wird. Über mehrere Wochen beziehungsweise Monate werden die Patienten medikamentös eingestellt, therapeutisch betreut, können Angebote von Selbsthilfegruppen auf freiwilliger Basis wahrnehmen. Stellt der zuständige Arzt nach Ablauf der Unterbringungsfrist ein positives Gutachten aus, werden diese Patienten wieder entlassen. Einen Nachsorgeauftrag erfüllen die Krankenhäuser nicht. Der Effekt wird von Fachleuten seit langem beschrieben, evaluiert und diskutiert. Man spricht von den so genannten Drehtürpatienten, die immer wieder rückfällig werden und denen es allein nicht gelingt, einen Ausweg aus der Abhängigkeit zu finden.