Interdisziplinäre Suchtforschung.
Das Gehirn ist das komplexeste Organ im menschlichen Organismus.
Jede der 100 Milliarden Nervenzellen hat durchschnittlich mehrere
Tausend Synapsen, über die sie mit den anderen Nervenzellen
kommuniziert. In den letzten Jahren ist es der Suchtforschung gelungen,
den Suchtmechanismus, die Irreversibilität der Suchtkrankheit
und das Entzugsphänomen biochemisch nachzuweisen.
So gibt es eine relativ genaue Vorstellung davon, wie psychoaktive
Substanzen im Gehirn wirken. Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität
in Düsseldorf ist es nun gelungen, die regionalen Hirnaktivitäten
bei Alkoholkranken während des Suchtdrucks sichtbar zu machen.
Welche Bedeutung das für die weitere Therapieforschung hat,
können Sie ab Seite neun lesen.
Angesichts der Ergänzung der bisher abstinenzorientierten deutschen
Drogenpolitik durch akzeptanzorientierte Modelle der Drogenhilfe
stellt sich Dr.Harald Körner, Leiter der Zentralstelle für
die Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität (ZfB),
der Diskussion um Freiwilligkeit und Zwang in der Suchtbehandlung.
Im Spannungsfeld von repressivem Drogenstrafrecht und liberalen Tendenzen
in der Drogenstrafgesetzgebung beschäftigt sich der Beitrag
auch mit der Frage, inwieweit Beratung und Behandlung unter den gegebenen
Bedingungen erfolgreich sein kann.(Seite 14)
Im Jahr 2002 startet das bundesweite Modellprojekt zur heroingestützten
Behandlung Opiatabhängiger. Damit sollen Schwerstabhängige
erreicht werden, die von bisherigen Hilfsangeboten nicht oder nur
ungenügend profitieren konnten.
Mehr als tausend Drogenabhängige werden in das Modellprojekt „Heroingestützte
Behandlung Opiatabhängiger “ integriert. Von ihnen soll
eine Gruppe Heroin, die andere Gruppe die Ersatzdroge Methadon erhalten.
Beide Gruppen werden regelmäßig medizinisch betreut und
erhalten eine psychosoziale Begleittherapie. Die Studie folgt den
Richtlinien einer klinischen Arzneimittelprüfung. Der Modellversuch
wird vom Bundesgesundheitsministerium, den Ländern Hamburg,
Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen und Hessen und den beteiligten
Kommunen getragen sowie von der Bundesärztekammer und einem
internationalen wissenschaftlichen Beirat begleitet. Die federführenden
Wissenschaftler stellten nun das Forschungsdesign vor.(Seite 34)
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