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Weißer Stechapfel lat. datura stramonium, auch Teufels- und Tollapfel genannt Geschichtliche Hintergründe
Ungeklärt ist, ob der weiße Stechapfel seinen Ursprung in der alten oder neuen Welt hat. Schon um 300 v. Chr. war die narkotische und giftige Wirkung des Stechapfels bekannt. Seit der Antike wurde er als Analgetikum, meist in Kombination mit Wein und Cannabis, sowie als Spasmolyticum bei Asthma bronchiale und Krampfhusten eingesetzt. Spätestens seit dem frühen Mittelalter wurde die Pflanze auch als Rauschdroge verwendet. Stechapfelsamen waren unter anderem Bestandteil der so genannten Hexensalben. Durch Einnahme der Pflanze als Asthma-Tee kam es zu Vergiftungserscheinungen. Stechapfel ist ein nicht selten verwendetes Rausch-, Mord- und Selbsttötungsmittel. Er ist Bestandteil der so genannten K.O.-Tropfen der kriminellen Szene und dient als LSD-Ersatz. Das Staatliche Chemische Laboratorium im indischen Agra untersuchte von 1950 bis 1965 insgesamt 2.728 Todesfälle durch Datura-Arten. In dieser Region sind die Samen ein beliebtes Suizid- und Mordgift. In der Pharmazie helfen die Wirkstoffe des Stechapfels Asthmatikern. Bis Mitte der 70er Jahre waren in der Bundesrepublik Deutschland Datura-Extrakte in den so genannten „Asthmazigaretten“ enthalten. In der DDR wurde dieses Produkt noch länger vertrieben. Seit Beginn der 90er Jahre kam der Stechapfel in der Drogenszene als Rauschmittel wieder in Mode. In zunehmendem Maße wurde mit aus botanischen Gärten entwendeten oder aus Samen gezogenen Nachtschattengewächsen experimentiert. Diese so genannten „Naturdrogen“ fanden insbesondere in der Technoszene und häufig in Kombination mit Ecstasy Verwendung. Es kam in der Folge aufgrund des stark schwankenden Wirkstoffgehalts in den Pflanzen häufig zu Vergiftungsfällen und Krankenhauseinweisungen. Typische Merkmale und Standort Der Stechapfel ist eine einjährige kräftige Pflanze aus der Familie der Solanaceae (Nachtschattengewächse). Er erreicht 30 bis zu 120 Zentimeter Höhe. Die Blütezeit beginnt im Juni und endet im August. Die Früchte treten von Juli bis Oktober auf. Der Stängel ist kahl, aufrecht und gabelartig verzweigt. Die Blätter sind lang gestielt, lang-eiförmig, grob gebuchtet und gezähnt. Die Pflanze steht einzeln und aufrecht und besitzt einen trompetenförmig gefalteten, weißen, selten auch hell violetten, langen Hüllkelch. Die Blüten können über fünf Zentimeter lang werden. Sie haben einen trichterförmigen Saum mit fünf Zipfeln, sitzen einzeln und aufrecht in den Blattachseln des Krautes und öffnen sich erst abends. Die Fruchtkapsel ist stachelig, groß, grün und vierlappig. Sie erinnern an die Fruchtkapseln der Rosskastanie. Ab Juni bis August produziert sie viele, reif schwarze, nierenförmige Samen, deren Geschmack erträglich ist. Bis zu 20.000 Samen kann eine einzige Pflanze hervorbringen. Die weltweit verbreitete Pflanze fehlt in den Alpen. Stechapfel wächst auf lehmigen und sandigen, nährstoffreichen Böden, häufig an Wegrändern, Ackerrändern, auf Müll- und Schuttabladeplätzen und auch selten in Weinbergen. Die Pflanze wird zur Gewinnung der Reinalkaloide (besonders Atropin) in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern in großen Plantagen angebaut. Wirkstoffe und Kritische Dosis
Die Pflanze enthält in allen Teilen die Alkaloide Hyoscyamin, Scopolamin, Atropin und weitere Giftstoffe. Der Alkaloid-Gehalt ist mit rund 0,6 Prozent in den Samen und Blüten am höchsten. Die Blätter enthalten etwa 0,4 Prozent Alkaloid. Auch in den übrigen Pflanzenteilen wie Wurzeln und Stängel können noch Alkaloide nachgewiesen werden, der Prozentsatz liegt hier bei weniger als 0,23 Prozent. Die Giftigkeit des Stechapfels ist damit zwischen Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und Tollkirsche (Atropa belladonna) einzustufen. In den jungen Pflanzen findet sich vornehmlich Scopolamin, bei älteren dann zunehmend L-Hyoscyamin als wirsame Substanz. Die ganze Pflanze ist sehr stark giftig, vor allem Wurzeln und Samen. Der Gehalt ist in den Samen am höchsten. Der Wirkstoffgehalt schwankt von Pflanze zu Pflanze und von Pflanzenteil zu Pflanzenteil. Ein einmal schwach wirkendes Samenkorn oder Blütenteil kann beim nächsten Konsum ein Vielfaches des Wirkstoffes enthalten und dann mitunter lebensgefährlich wirken. Schon bei Einnahme kleinerer Mengen muss daher mit ernsten Symptomen gerechnet werden. Mengen ab 0,3 Gramm der Pflanze gelten als giftig. Bereits ab 15 bis 20 Stechapfelsamen sind tödliche Komplikationen zu erwarten. Auch Teeaufgüsse können noch hohe Anteile des Giftes enthalten. In der Regel sind 50 Milligramm des Wirkstoffes Scopolamin tödlich, aber der Tod tritt mitunter - falls nicht umgehend eine ärztliche Behandlung erfolgt - auch schon bei geringeren Dosen durch die Nebenwirkungen (Atemlähmung und Ersticken) ein. Aufnahme, Rauschwirkung und Wirkdauer
Pflanzenteile oder auch Samen der Stechapfelfrucht werden gegessen, verbrannt und inhaliert, ausgepresst oder als Tee ausgekocht. Der Saft und Sud kann entweder getrunken oder in die Schleimhäute eingerieben werden. Die Samen können geraucht oder gemahlen und geschnupft werden. Atropin hemmt den an bestimmten Nervenenden freigesetzten Neurotransmitter Azetylcholin, indem es die chemischen Positionen (Rezeptoren) blockiert, auf die der Überträgerstoff von Nervenimpulsen einwirkt. Die Körperbewegungen werden dabei nicht gehemmt. Die Wirkung erfasst vor allen Dingen die Verdauung, die Speichelsekretion, den Herzschlag und die Pupillenkonzentration. Der Bestandteil Scopolamin dämpft das Zentralnervensystem, ist hochgradig halluzinogen und bewirkt eine Auflösung des Zeitempfindens, das sich bis in psychoseähnliche Zustände steigern kann. Auch Unruhe und Angstzustände können hinzukommen. Der Konsument bleibt in einem halbwachen Zustand mit real wirkenden Halluzinationen, ist aber noch in der Lage zu sprechen und zu denken. Erfahrungsberichten zu Folge, ist während eines Rausches, ein säuerlicher Geschmack in der Mundhöhle zu bemerken. Bereits das Inhalieren der Dämpfe der trompetenartigen Blüten kann gesundheitsschädlich sein. Zwei bis vier Stunden nach der Aufnahme kann es zu Halluzinationen kommen, die bisweilen sehr lange anhalten (6 - 36 Stunden). Der Körper braucht zwei bis drei Tage, um sich zu erholen. In dieser Zeit leidet der Konsument an Gedächtnislücken, Konzentrationsschwäche, teilweise Blindheit, Paranoia und Sprachstörungen wie beispielsweise Stottern. Fälle von Abhängigkeit sollen vor allem im Mittelalter nicht selten gewesen sein. Über längere Zeit eingenommen ist Stechapfel hochgradig hirn- und lebertoxisch. Körperliche Symptome während des Rausches • stark geweitete Pupillen Verwendung in der Medizin
Früher wurden Stechapfelblätter bei Asthma geraucht. Heute werden sie aufgrund der Nebenwirkungen nicht mehr angewendet. In der Krankenhausmedizin wird in schweren Fällen jedoch noch Skopolamin in Reinform bei schweren Asthmafällen eingesetzt. Zusammenfassung: Beate Maria Bollig
Quellen: Bastigkeit, M. (2003): Rauschgifte. Ein naturwissenschaftliches Handbuch,
Eschborn. www.drug-infopool.de
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