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OPIUM [Papaver somniferum]

In der Gruppe der Opiate und Opioide werden die Substanzen zusammengefasst, die sich chemisch von natürlichen Alkaloiden des Schlafmohn (Papaver somniferum) herleiten. Die Opioide lassen sich ihrer Herkunft und Entwicklung nach in drei ver- schiedene Gruppen einteilen. Rein natürlicher Herkunft ist das Opium, das aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns gewonnen wird und die zuallererst entdeckte und verwendete Form der Opiate darstellt. In diesem Milchsaft sind mehr als 40 verschiedene Alkaloide enthalten, die fast alle eine opioid- agonistische Wirkung besitzen. Neben Kodein ist im Opium vor allem das analgetisch hoch potente Morphin enthalten.

  opium
  Afghanischer Landwirt bei der Ernte eines Schlafmohnfeldes im Mai 2000 in Kandahar. Die noch unreifen Kapseln werden angeritzt und aus dem austretenden Saft wird Opium sowie der Rohstoff für Morphinbase und u.a. Heroin gewonnen.

Aussehen und Verbreitung

Die natürliche Quelle für Rohopium ist der Schlafmohn (Papaver somniferum). Von 600 verschiedenen Arten produziert nur der Schlafmohn die schmerzlindernden und berau- schenden Alkaloide. Der Schlafmohn ist eine über 150 Zentimeter hochwerdende, graugrüne, krautige Pflanze mit wachsigen, länglichen und grob gezähnten Blättern und blasslila oder weiß gefärbten, bis 18 Zentimeter großen Blüten mit schwarzem Fleck am Grunde, woraus eine walnussgroße, eiförmige Kapsel mit einer Strahlenkrone entsteht. 

Mohnpflanzen wurden vor allem in Mesopotamien, Ägypten und Persien gezüchtet. Traditionelle Opium-Anbauregionen sind Ostasien und der Vordere Orient. Die größten Mohnfelder liegen in einer über 7.000 Kilometer langen Gebirgszone am Südrand der asiatischen Landmasse. Im Goldenem Dreieck - nordöstliches Burma, Nordthailand und Nordlaos - hier werden seit den frühen 60er-Jahren 450 bis 1.000 Tonnen Rohopium jährlich produziert.

Gewinnung

Nach der Blüte entwickelt die Mohnblume mehrere Fruchtkapseln, die reichlich mit Pflanzensaft versorgt werden, um die Samen herzustellen. Zur Gewinnung von Rohopium muss die Samenbildung unterbrochen werden. Stattdessen wird die grüne Kapselwand abends horizontal und vertikal angeritzt. Die austretende Mohnmilch verfärbt sich braun und trocknet. Danach werden pro Kapsel etwa 0,05 Gramm Rohopium abgeschabt. 20.000 Mohnkapseln liefern ein Kilogramm Opium.
Alle Teile der Pflanze enthalten im weißlichen Milchsaft hohe Konzentrationen an über 40 verschiedenen Alkaloiden, welche größtenteils eine opioidartige Wirkung haben. Zu den wichtigsten Substanzen gehören Kodein (0,5 Prozent des Trockengewichts), Thebain (0,2 Prozent), Papaverin (1,0 Prozent), Noscapin (6 Prozent), Narcein (0,3 Prozent) und das Morphin (10 Prozent). 
Nur die orientalischen Sorten Mohnsorten enthalten Opium, nicht der in Europa vor- kommende und zu Zierzwecken angepflanzte Klatschmohn, der ein naher Verwandter des Schlafmohns ist.
Opium wird meistens in Opiumpfeifen geraucht, die das Erhitzen von Opium bis zur Rauchentwicklung erlauben, ohne dass das Opium direkt angezündet werden muss. Rohopium kann auch gegessen oder als Tee zubereitet eingenommen werden.

Geschichte

Bereits 4000 v.Chr. wird Schlafmohn als Heilpflanze und Rauschdroge bei Sumerern und Ägyptern verwendet. 
Griechische und römische Schriftsteller sowie Ärzte, die großen mittelalterlichen christlichen und arabischen Enzyklopädisten berichteten in immer differenzierterer Form über die äußerliche und innerliche Anwendung von Opium bei verschiedensten Krankheiten. Zu Beginn der frühen Neuzeit war es der deutsche Philosoph und Medizinpionier Paracelsus, der den aus Opium hergestellten Saft „Laudanum“ als Allheilmittel pries und zu dessen medizinischer Verbreitung beitrug.
Die größte Bedeutung als Genussmittel gewann das Opium in China, wo es zum Narkotikum der breiten Masse wurde. Die Chinesen bauten das „Chandu“-Rauchen zum Zeremoniell aus, das später bei Künstlern und Intellektuellen in Europa sehr beliebt wurde. Die Regierung verbot 1729 den Genuss von Chandu.
Der Handel mit Opium entwickelte sich zu einem starken wirtschaftlichen und politischen Faktor. Ausdruck war unter anderem der so genannte Opiumkrieg zwischen China und England (1840 bis 1842), indem es um die Vorherrschaft des Opiumhandels ging. Mit der Gewinnung des Morphiums (1817) und des Heroins (1874) aus Rohopium setzte eine Multiplikation der Wirkungskraft ein. Durch die Erfindung der Injektionsspritze konnten Ärzte Morphium intravenös spritzen, was in den Kriegen des 19. Jahrhunderts in großem Umfang genutzt wurde, doch die Folge war die Morphiumabhängigkeit vieler Soldaten. Eines der frühesten Kontrollgesetze, der englische „Pharmacy and Poison Act“ von 1868, bestimmte den sowieso üblichen Opiatverkauf in Apotheken.

Seit 1909 wird versucht, Opium weltweit unter staatliche Kontrolle zu stellen, um Missbrauch und Sucht zu verhindern. Allerdings kann die Medizin bis heute nicht auf Opium und Morphium als Schmerzmittel verzichten. In den frühen 20er-Jahren wurde das Konsumverbot durchgesetzt, gleichzeitig wuchsen allerdings illegaler Anbau und Handel. Der Einstieg in den weltweiten Heroinhandel wurde auch durch äußere Einflüsse wie dem Vietnamkrieg bewirkt, Südostasien wurde zum beständigsten Lieferanten illegalen Rohopiums.

Wirkung

Der Wirkmechanismus der Opiate und Opioide beruht auf ihrer spezifischen Bindung an Opiat-Rezeptoren im Zentralnervensystem und teilweise auch in peripheren Organen (Darm). Als typische Effekte treten unter anderem eine Hemmung der zentralen Schmerzempfindung, des Hustenreflexes und der Empfindlichkeit des Atemzentrums auf. Über Opiat-Rezeptoren des Limbischen Systems bewirken die Opiate eine euphorische Stimmungslage und einen bei bestimmten Angst- und Spannungszuständen dämpfenden Effekt. In niedriger Dosis erzeigt Opium Gefühle der Entspannung und des Wohlbefindens mit traumähnlichem Erleben. Die Wirkungen werden als beruhigend, entspannend, schlaffördernd und bewusstseinsmindernd beschrieben.

Bei Überdosierung werden wichtige zentrale Kontrollmechanismen gehemmt. Schutzreflexe wie Husten- und Würgereflexe werden unterdrückt und es kommt in Folge zu Atemdepression, Koma, Schock und Kreislaufversagen. Opiate haben ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial. Sukzessive Dosissteigerung und Abhängigkeit in wenigen Monaten sind charakteristisch. Entzugssymptome werden mit Unruhe, Muskel- und Gliederschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Kälteschauer und Schwitzen beschrieben.

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