MAGIC MUSHROOMS
Psilocybinhaltige Pilze
 

Trotz zahlreicher Berichte in den Medien über die so genannten Zauberpilze oder „Magic Mushrooms “ fehlen fundierte Informationen über diese Pilze. Welche gehören dazu, wo findet man sie, welche Wirkstoffe enthalten sie und vor allem, wie gefährlich sind sie?

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Der Begriff „Zauberpilz “ meint insbesondere solche Pilze, die als Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin enthalten. Fliegenpilze, obwohl sie auch psychoaktiv sind, sind nicht als „Zauberpilze “ zu bezeichnen. Sie enthalten völlig andere Wirkstoffe (Ibotensäure, Muscimol etc.) und unterscheiden sich daher in ihrer Wirkungsweise von den „Psilos“.

Geschichte
Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde man in der „alten Welt “ auf die Existenz von Psilocybinpilzen aufmerksam. Zu dieser Zeit war nur ein natürliches Psychedelikum, das Meskalin des Peyote- Kaktus, bekannt. Hingegen hatte man nur unsichere Vermutungen über so genannte Teonanacatl- Rituale bei mittelamerikanischen Indianern.
Teonanacatl bedeutet soviel wie „Fleisch der Götter “ und sollte ein Pilz sein. Dieses Wissen basierte auf Berichten des spanischen Klerikers Sahugun im 16.Jahrhundert und des spanischen Kräuterheilkundearztes Hernandez im Jahre 1651.
Dr.B.P.Reko, ein in Mexiko tätiger Botaniker und Anthropologe, sowie das Amateurforscherpaar Valentina und Gordon Wasson, lösten schließlich das Rätsel um den sagenumwobenen Pilzkult.

Unter Aufsicht der Schamanin Maria Sabina nahmen sie 1955 an einem Pilzritual teil. Ein Jahr später lud Gordon Wasson den französischen Mykologen Prof. Dr. Roger Heim nach Oaxaca ein, wo er vierzehn neue Pilzarten identifizierte, die bei Indianern schon seit Jahrtausenden rituelle Verwendung finden.
Dr. Albert Hofmann, schon damals in Fachkreisen durch das LSD bekannt, wurde 1957 von Heim beauftragt, die aktiven Wirkstoffe in den Pilzen zu finden. Hofmann wurde fündig und benannte sie nach der Familie Psilocybe Psilocybin und Psilocin.
1960 machten Timothy Leary und Aldous Huxley ihre ersten Psilocybin-Erfahrungen.
Anfang der 60er-Jahre wurde Psilocybin in den USA und später auch weltweit als Medikament in der Psychoanalyse und Psychotherapie eingesetzt. Die Popularisierung der wissenschaftlichen Ergebnisse und Berichte über das Vorkommen rauscherzeugender Pilze („magic mushrooms“) lösten in der Hippie- und Protestbewegung in den USA eine neue Welle der Pilzbegeisterung aus. Auch in Südamerika, Australien und Europa wurde die Verwendung dieser Pilze als Droge beliebt .
Aussehen und Verbreitung
Unter den 144 weltweit vorkommenden Psilocybe- Arten wirken 81 halluzinogen. Unter ihnen ist Psilocybe semilanceata (Spitzkegeliger Kahlkopf) die häufigste Psilocybin bildende Art Europas, und auch gleichzeitig eine der potentesten.
Der Psilocybingehalt liegt bei 0,8 bis ein Prozent der Trockenmasse. Der kleine zwischen Gras wachsende Pilz mit spitzkegeligem, braungelbem bis olivgelbem, etwas schmierigem, an seinem Rand fein gerieftem Hut, zeigt bisweilen auch bläuliche bis grünliche Töne. Die Lamellen sind zunächst lehmbraun, später dunkel rostbraun violettgrau bis tief purpurbraun mit weiß bereifter Schneide.

Man findet ihn auf feuchten Wiesen und Schneisen am Wald, an Wegrändern und gedüngten Wiesen in der Zeit von August bis September überall in Europa, besonders in Schottland, Wales und Norwegen, jedoch auch in Deutschland häufiger.

Weitere halluzinogene Pilzarten sind die Panaeolus- Arten (Düngerlinge), Pholiotina- Arten (Glockenschüpplinge), Panaeolina foenisecii (Heudüngerlinge), Gymnopilus- Arten (Flämmlinge), Stropharia (Träuschlinge), Pluteus (Dachpilze), Conocybe (Samthäubchen), Hypholoma (Schwefelköpfe) und Inocybe (Risspilze).
 
Wirkung, Symptome
Die Wirkung von psilocybinhaltigen Pilzen entspricht einer Pilzvergiftung und führt zu dem so genannten Psilocybin-Syndrom.
Allerdings beruht diese Pilzvergiftung nicht auf einer Verwechslung, sondern wird meistens mit voller Absicht herbeigeführt. Dabei lösen in Pilzen enthaltene Halluzinogene Symptome aus, wie sie ähnlich nach der Einnahme von LSD zu beobachten sind.
Optische und akustische Wahrnehmungen werden intensiviert, zum Teil auch verzerrt.
Nachdem über viele Jahre die „Psilos “ einem kleinen Kreis von Eingeweihten vorbehalten waren, sind sie nun von Großbritannien über die Niederlande bis nach Deutschland vor allem bei Jugendlichen in der Technoszene weit verbreitet.
Die körperlichen Symptome für eine Vergiftung mit der Psilocybe sind vielfältig und bei vielen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Es kann zu Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Benommenheit und Gleichgewichtsstörungen kommen, auch Muskelschwäche, „Ameisenlaufen “ und ein taubes Gefühl auf der Haut können auftreten. Übelkeit und Erbrechen sind Anzeichen, die in der Frühphase (bis 30 Minuten nach Verzehr) auftreten können. Manchmal kommt es zu einem schnelleren, manchmal zu einem langsameren Puls, der Blutdruck kann erhöht oder erniedrigt sein. Die Pupillen erweitern sich. Auch unkontrollierter Abgang von Harn oder Stuhl (Inkontinenz) sowie unkontrollierte Bewegungen wurden beschrieben. Für die psychischen Wirkungen ist die strukturelle Ähnlichkeit des Psilocybins mit dem Serotonin von Bedeutung. Serotonin spielt eine wichtige Rolle in der Informationsübermittlung vom Thalamus („Tor zum Bewusstsein “) zur Großhirnrinde.
Die fast unendlich große Flut von optischen, akustischen und anderen Sinneseindrücken muss, um vernünftig interpretiert werden zu können, stark gefiltert werden.
Normalerweise wird durch eine Rückkopplungsschleife eine Überflutung durch äußere Sinnesreize verhindert. Durch die Imitation des körpereigenen Botenstoffes Serotonin durch die Halluzinogene Psilocybin und LSD kommt es zu einer Entkopplung dieser schützenden Rückkopplungsschleife und somit zu einer Reizüberflutung. Sinnesinformationen werden nicht mehr mit dem Gedächtnis verglichen und damit sinnvoll interpretiert.
Das Ergebnis ist eine völlig veränderte Ich- und Umwelterfahrung.
Es kommt zu optischen (visuellen), gefühlten (taktilen) und gehörten (auditorischen) Halluzinationen bei noch vorhandener aber verzerrter Realitätswahrnehmung. Je nach Grundeinstellung kann es zu Glücksgefühl, Lachanfällen („good trip “) oder zu Angst, Unruhe, Gewalttätigkeit, Delirium und Panikanfällen mit akuter Suizidgefährdung kommen.

Werden halluzinogene Pilze nicht vorsätzlich, sondern unbeabsichtigt wegen einer Verwechslung mit anderen Pilzen gegessen, so sind an Stelle freudiger Erlebnisse anschließende Horrorvorstellungen, bedingt durch die Angst, sich ernstlich vergiftet zu haben, eher die Regel.
Während der ersten 30 bis 50 Minuten nach der Einnahme von psilocybinhaltigen Pilzen entspannt sich die Muskulatur und das Sehen verändert sich leicht. Es können Schwindelgefühl, Mattigkeit, optische und akustische Halluzinationen, Form- und Farbvisionen und das subjektive Gefühle höherer Einsichten folgen.
Seinen Höhepunkt erreicht die Wirkung nach etwa ein bis anderthalb Stunden. Es gibt verschiedene psilocybinhaltige Pilze, die sich in der Konzentration des Wirkstoffes erheblich unterscheiden.

Vier bis zehn Milligramm Psilocybin führen beim Menschen nach 20 bis 30 Minuten zu einem tranceähnlichen Zustand, in dem ein Gefühl der Leichtigkeit und des Losgelöstseins vorherrschend ist. Es kommt zu Veränderungen des Zeit- und Raumgefühls und zu Halluzinationen. Diese Desorientierung kann Panikreaktionen auslösen. Die Intoxikationen dauern fünf bis sechs Stunden an, Depressionen können jedoch auch noch längere Zeit danach auftreten.
Missbrauch
Der Missbrauch psilocybinhaltiger Pilze als Rauschmittel ist seit den 70er- Jahren besonders unter Jugendlichen im Zunehmen begriffen.
Von 1.500 amerikanischen Collegestudenten hatten 15 Prozent absichtlich von den Pilzen gegessen. Bei 13 Prozent von ihnen wurden schwere Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit und Panikreaktionen beobachtet.
Rechtsstatus

Psilcybinhaltige Pilze fallen als Pflanzen seit dem 01.02.1998 unter das Betäubungsmittelgesetz (BtmG), sofern die gesammelten oder auch gekauften Pilze zum Konsum als Droge bestimmt sind.

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