KHAT
Als Khat werden die Zweigspitzen mit jungen Blättern des Khatstrauches (Catha edulis Forsk., Pflanzenfamilie der Spindelbaumgewächse) bezeichnet. Als Genussmittel ist Khat bereits seit prähistorischer Zeit in Äthiopien bekannt.
Khatpflanzen werden heute auf großen Flächen im Hochland mehrerer ostafrikanischer Länder und Arabiens, besonders Äthiopiens, in Kenia und im Jemen kultiviert und können ganzjährig geerntet werden. Üblicherweise werden sukzessiv 100 bis 200 Gramm frische, junge Laubblätter drei bis vier Stunden lang gekaut. In islamischen Kulturkreisen ist Khat Teil des religiösen und gesellschaftlichen Lebens.
Es wird seit Jahrhunderten traditionell verwendet und vom Koran toleriert.
Inhaltsstoffe des Khat
khatDie Vertreter der wichtigste Gruppe chemisch miteinander verwandter Inhaltsstoffe des Khat werden als Kathamine bezeichnet. Für den größten Teil der Wirkung des Khat beim Menschen ist das Kathamin Cathinon verantwortlich. Die Kathamine Cathin und Norephedrin haben beide einen ähnlichen Wirkcharakter wie Cathinon, im Vergleich zu dieser Substanz allerdings eine zehnfach geringere Wirkstärke. Die übrigen Kathamine (Merucathinon, Merucathin, Pseudomerucathin und (-)- N-Formylnorephedrin) tragen kaum zur Wirkung des Khats bei. Cathinon ist in Anlage I B, Cathin in Anlage III zu §1 Abs.1 BtMG verzeichnet. Cathin ist zudem wirksamer Inhaltsstoff in drei zurzeit in Deutschland zugelassenen rezeptpflichtigen Appetitzüglern (Rote Liste 2000). Über die Kathamine hinaus enthält Khat Gerbstoffe, Aminosäuren und Vitamine, speziell Vitamin C.
Wirkungsweise des Khat
Cathinon ist als Reinsubstanz auf seine Wirkung beim Menschen hin gut untersucht, es hat eine kreislaufanregende Wirkung (Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks) und wirkt psychisch stimulierend (eupho- risierend). Über Wirkungen des Khatkauens berichten viele arabische Quellen des Altertums und Quellen der neueren medizinischen Literatur. Die häufigsten körperlichen Symptome sind neben der bereits für (isoliertes) Cathinon beschriebenen kreislaufanregenden Wirkung (Herzfrequenzerhöhung, Herzklopfen, Gesichtsrötung) eine geringe Erhöhung der Körpertemperatur mit Schwitzen und eine Pupillenerweiterung. Regelmäßige Anwendung führt darüber hinaus häufig zu Schleimhautentzündungen im Mund, in der Speiseröhre und im Magen, zu Blähungen und zu Verstopfung. An typischen psychischen Symptomen werden Euphorie, Verbesserung der Aufmerksamkeit, erhöhter Rededrang, Appetithemmung, innere Unruhe und Hyperaktivität sowie Schlafstörungen beobachtet. Nur in seltenen Einzelfällen kommt es zu psychotischen Symptomen (z.B.Wahnvorstellungen).
Suchtpotenzial
In Versuchen an Rhesusaffen konnte beobachtet werden, dass sich an Cathinon gewöhnte Tiere die Substanz aus eigenem Antrieb in kurzen Abständen selbstständig zuführten, bis sie in völliger Erschöpfung einschliefen. Beim Menschen ist eine körperliche Abhängigkeit von Khat mit substanztypischen Entzugssymptomen nicht bekannt. Eine psychische Abhängigkeit mit ausgeprägtem Bestreben nach Wiederholung der Drogenanwendung (craving), bei armen Bevölkerungsschichten auch unter Verwendung eines großen Teils des Einkommens, wird hingegen oft beobachtet.
Bei chronischen Khatanwendern wird dabei oft eine Vernachlässigung der Ernährung und der Hygiene (als typische Zeichen einer Substanz-Abhängigkeit) beobachtet. Ein soziales Problem scheint schließlich in einigen Gebieten Ostafrikas die mangelnde Arbeitsmotivation bei chronischem Khatgenuss darzustellen.
Eine Toleranz entwickelt sich zwar gegenüber der Wirkung auf den Kreislauf nicht jedoch gegenüber den psychischen Effekten. Diese Sachlage veranlasste eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation, Khat als mäßiggradig suchtgefährdend einzustufen.
Vergleich mit verwandten Suchtstoffen
Nur durch intensives, mehrstündiges Khatkauen lassen sich die erwünschten psychischen Wirkungen erzielen. Wahrscheinlich aus diesem Grund kommen schwere akute Vergiftung durch Khat- Überdosierung nicht vor. Dies steht im Gegensatz zu den Komplikationen beim Gebrauch von Amphetaminen, die den Kathaminen sowohl in chemischer Hinsicht wie auch in ihren körperlichen und psychischen Wirkungen ähneln: Amphetamine werden als Stoffgemische mit hoch konzentriertem Wirkstoffanteil eingenommen oder injiziert und damit leicht überdosiert. Methcathinon (2-Methylamino-1-phenylpropanon) ist ein dem BtMG (Anlage I B) unterstelltes, dem Cathinon sehr eng verwandtes synthetisch hergestelltes Rauschmittel.
Unterschiede im Wirkstoffgehalt
Der Gehalt der Blätter an Cathinon und an anderen Kathaminen ist stark schwankend und vom Alter der Triebe sowie von der Dauer der Lagerung abhängig: Frisch vermarktete, junge Triebe enthalten ca.0,01 bis 0,33 Prozent Cathinon bei einem Gesamtgehalt an Kathaminen von 0,02 bis 0,96 Prozent (bezogen auf das Frischgewicht der Pflanzen).Im Verlauf des Blattwachstums wird Cathinon zu (-)-Norephedrin und Cathin umgewandelt: Frische vollentwickelte Blätter enthalten nur 0,004 Prozent Cathinon bei insgesamt 0,2 Prozent Kathaminen. Auch beim Trocknen und Lagern der Blätter kommt es zu einer Umwandlung von Cathinon in andere Kathamine: Die Triebe werden daher üblicherweise am frühen Morgen geerntet, feucht transportiert und noch am gleichen Tag gehandelt und in der Regel unmittelbar danach konsumiert. Dies erklärt, weshalb Khatgenuss bis vor wenigen Jahren praktisch nur in den Anbauländern üblich gewesen ist. Erst seit den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wird aus Ostafrika per Luftfracht transportiertes Khat in den USA und in Europa in größerem Maße vermarktet und konsumiert. Die in Europa lebenden Konsumenten sind nahezu ausschließlich ostafrikanischer Herkunft, für Konsumenten europäischer Herkunft scheint die Droge - nicht zuletzt wegen ihres bitteren Geschmacks - offenbar unattraktiv. Khat verliert bei Umgebungstemperatur innerhalb von drei bis vier Tagen seine Wirksamkeit. Nach dieser Zeit ist mit einem weit gehenden Abbau des Cathinons zu rechnen. Tiefgekühlt hingegen ist Cathinon in Khat längere Zeit haltbar.

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