| Inhaltsstoffe
des Khat |
Die
Vertreter der wichtigste Gruppe chemisch miteinander verwandter
Inhaltsstoffe des Khat werden als Kathamine bezeichnet. Für
den größten Teil der Wirkung des Khat beim Menschen
ist das Kathamin Cathinon verantwortlich. Die Kathamine Cathin
und Norephedrin haben beide einen
ähnlichen Wirkcharakter wie Cathinon, im Vergleich zu dieser
Substanz allerdings eine zehnfach geringere Wirkstärke.
Die übrigen Kathamine (Merucathinon, Merucathin, Pseudomerucathin
und (-)- N-Formylnorephedrin) tragen kaum zur Wirkung des Khats
bei. Cathinon ist in Anlage I B, Cathin in Anlage III zu §1
Abs.1 BtMG verzeichnet. Cathin ist zudem wirksamer Inhaltsstoff
in drei zurzeit in Deutschland zugelassenen rezeptpflichtigen
Appetitzüglern (Rote Liste 2000). Über die Kathamine
hinaus enthält Khat Gerbstoffe, Aminosäuren und Vitamine,
speziell Vitamin C. |
| Wirkungsweise
des Khat |
| Cathinon
ist als Reinsubstanz auf seine Wirkung beim Menschen hin gut
untersucht, es hat eine kreislaufanregende Wirkung (Erhöhung
der Herzfrequenz und des Blutdrucks) und wirkt psychisch stimulierend
(eupho- risierend).
Über Wirkungen des Khatkauens berichten viele arabische
Quellen des Altertums und Quellen der neueren medizinischen Literatur.
Die häufigsten körperlichen Symptome sind neben der
bereits für (isoliertes) Cathinon beschriebenen kreislaufanregenden
Wirkung (Herzfrequenzerhöhung, Herzklopfen, Gesichtsrötung)
eine geringe Erhöhung der Körpertemperatur mit Schwitzen
und eine Pupillenerweiterung. Regelmäßige Anwendung
führt darüber hinaus häufig zu Schleimhautentzündungen
im Mund, in der Speiseröhre und im Magen, zu Blähungen
und zu Verstopfung. An typischen psychischen Symptomen werden
Euphorie, Verbesserung der Aufmerksamkeit, erhöhter Rededrang,
Appetithemmung, innere Unruhe und Hyperaktivität sowie Schlafstörungen
beobachtet. Nur in seltenen Einzelfällen kommt es zu psychotischen
Symptomen (z.B.Wahnvorstellungen). |
| Suchtpotenzial |
| In Versuchen
an Rhesusaffen konnte beobachtet werden, dass sich an Cathinon
gewöhnte Tiere die Substanz aus eigenem Antrieb in kurzen
Abständen selbstständig zuführten, bis sie in
völliger Erschöpfung einschliefen. Beim Menschen
ist eine körperliche Abhängigkeit von Khat mit substanztypischen
Entzugssymptomen nicht bekannt. Eine psychische Abhängigkeit
mit ausgeprägtem Bestreben nach Wiederholung der Drogenanwendung
(craving), bei armen Bevölkerungsschichten auch unter
Verwendung eines großen Teils des Einkommens, wird hingegen
oft beobachtet. |
|
Bei chronischen
Khatanwendern wird dabei oft eine Vernachlässigung der
Ernährung und der Hygiene (als typische Zeichen einer
Substanz-Abhängigkeit) beobachtet. Ein soziales Problem
scheint schließlich in einigen Gebieten Ostafrikas die
mangelnde Arbeitsmotivation bei chronischem Khatgenuss darzustellen.
Eine Toleranz entwickelt sich zwar gegenüber der Wirkung
auf den Kreislauf nicht jedoch gegenüber den psychischen
Effekten. Diese Sachlage veranlasste eine Expertengruppe der
Weltgesundheitsorganisation, Khat als mäßiggradig
suchtgefährdend einzustufen. |
| Vergleich
mit verwandten Suchtstoffen |
| Nur durch
intensives, mehrstündiges Khatkauen lassen sich die erwünschten
psychischen Wirkungen erzielen. Wahrscheinlich aus diesem Grund
kommen schwere akute Vergiftung durch Khat- Überdosierung
nicht vor. Dies steht im Gegensatz zu den Komplikationen beim
Gebrauch von Amphetaminen, die den Kathaminen sowohl in chemischer
Hinsicht wie auch in ihren körperlichen und psychischen
Wirkungen ähneln: Amphetamine werden als Stoffgemische
mit hoch konzentriertem Wirkstoffanteil eingenommen oder injiziert
und damit leicht überdosiert. Methcathinon (2-Methylamino-1-phenylpropanon)
ist ein dem BtMG (Anlage I B) unterstelltes, dem Cathinon sehr
eng verwandtes synthetisch hergestelltes Rauschmittel. |
| Unterschiede
im Wirkstoffgehalt |
| Der Gehalt
der Blätter an Cathinon und an anderen Kathaminen ist
stark schwankend und vom Alter der Triebe sowie von der Dauer
der Lagerung abhängig: Frisch vermarktete, junge Triebe
enthalten ca.0,01 bis 0,33 Prozent Cathinon bei einem Gesamtgehalt
an Kathaminen von 0,02 bis 0,96 Prozent (bezogen auf das Frischgewicht
der Pflanzen).Im Verlauf des Blattwachstums wird Cathinon zu
(-)-Norephedrin und Cathin umgewandelt: Frische vollentwickelte
Blätter enthalten nur 0,004 Prozent Cathinon bei insgesamt
0,2 Prozent Kathaminen. Auch beim Trocknen und Lagern der Blätter
kommt es zu einer Umwandlung von Cathinon in andere Kathamine:
Die Triebe werden daher üblicherweise am frühen Morgen
geerntet, feucht transportiert und noch am gleichen Tag gehandelt
und in der Regel unmittelbar danach konsumiert. Dies erklärt,
weshalb Khatgenuss bis vor wenigen Jahren praktisch nur in
den Anbauländern
üblich gewesen ist. Erst seit den Achtzigerjahren des vergangenen
Jahrhunderts wird aus Ostafrika per Luftfracht transportiertes
Khat in den USA und in Europa in größerem Maße
vermarktet und konsumiert. Die in Europa lebenden Konsumenten
sind nahezu ausschließlich ostafrikanischer Herkunft, für
Konsumenten europäischer Herkunft scheint die Droge - nicht
zuletzt wegen ihres bitteren Geschmacks - offenbar unattraktiv.
Khat verliert bei Umgebungstemperatur innerhalb von drei bis
vier Tagen seine Wirksamkeit. Nach dieser Zeit ist mit einem
weit gehenden Abbau des Cathinons zu rechnen. Tiefgekühlt
hingegen ist Cathinon in Khat längere Zeit haltbar. |
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