Narkose-Mittel:
Neue Modesubstanz der Szene |
(2
-(-2 -(Chlorphenyl)-2 - (Methylamino)- (Cyclohexanon)
Deutschlands Raver haben Ketamin zur neuen Mode-Droge erkoren.
Wie die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) mitteilt, kursiert
das Narkose-Mittel als „Special K“, „Kat “ oder „Vitamin
K “ in der Szene.
Die Substanz wird geschnupft, gespritzt oder als Tablette geschluckt.
Ketamin lässt die Konsumenten Musik, Geräusche und
Lichtwechsel intensiver wahrnehmen, kann aber auch Halluzinationen
und Angstzustände auslösen. Hoch dosiert macht sich
der narkotische Effekt von Ketamin bemerkbar. Dann würden
den Konsumenten Atmungs- und Herzkreislauf- Störungen sowie
schwere Gehirnschäden drohen, warnt die DAK. Ketamin werde
häufig als Cocktail mit anderen Drogen wie Speed, LSD und
Heroin angeboten. Der Konsument wisse selten, wie die einzelnen
Stoffe dosiert seien und wie sie zusammen wirkten. Deshalb bestehe
Lebensgefahr. |
| Substanz |
Ketamin
gehört zusammen mit PCP, Dextromethorphan (Inhaltsstoff
in einigen Hustensaftpräparaten) und Lachgas zu den NMDA-Antagonisten.
Ketamin wurde 1965 von der University of Michigan eingeführt,
die Firma Parke-Davis übernahm die kommerzielle Herstellung
und den Vertrieb als Narkosemittel in der Human- und der Veterinärmedizin.
Nach einiger Zeit beschwerten sich Patienten über albtraumähnliche
Erlebnisse beim Aufwachen aus der Narkose. Es stellte sich
heraus, dass das Präparat „dissoziative“ Erlebnisse
erzeugt..
Ketamin ist heute noch ein legales, rezeptpflichtiges Anästhetikum.
Anfängliche Bewusstseinsexperimente mit Ketamin waren zuerst
Kuriositäten. Sie wurden bei-
spielsweise durch Dr. John Lilly und andere Forscher in den 70er-Jahren
durchgeführt. Erst die Einführung von Ketamin in den
80er und 90er-Jahren als Vitamin K oder Special K in der Techno-Szene
führte zu einer Verbreitung auf dem illegalen Markt für
psychoaktive Substanzen. Hier wurde Ketamin als Reinkarnationsdroge
verbreitet. Die Erlebnisse erlauben einen Austritt sowohl aus
den körperlichen Empfindungen als auch aus den persönlichen
psychologischen Vorstellungen und Funktionsmechanismen.
Die „Rückkehr “ beim abklingenden Rausch wird
von vielen als analytisches Werkzeug benutzt, um sich selbst
und die eigenen neurotischen Komponenten besser zu verstehen.
Ketamin wird gegenwärtig von mehreren Forschergruppen in
den USA und in Russland auch als psy- chotherapeutisches Arzneimittel
in der Behandlung von Alkoholikern erforscht.
In den USA scheint eine missbräuchliche Anwendung von Ketamin
weiter verbreitet zu sein als in Europa. Wiederholt wird aus
den USA berichtet, dass einzelne Personen eine starke psychische
Abhängigkeit entwickeln und nach dem Absetzen von Ketamin
unter länger andauernden Gedächtnis-
störungen, desorganisiertem Verhalten und Konzentrations-
minderungen leiden. |
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| Anwendung |
Ketamin
wird von den Pharmafirmen als lnjektionslösung vertrieben,
weshalb sich intravenöse oder intramuskuläre Anwendungen
anbieten. Die medizinisch benutzte Dosierung liegt bei 1-2
mg beziehungsweise 3-5 mg/kg Körpergewicht. Bei dieser
Dosierung wird eine Bewusstlosigkeit erzeugt. Beim Gebrauch
als psychoaktive Substanz wird etwa ein Viertel dieser Dosierung
injiziert.
Da viele Benutzer nicht gerne Injektionen durchführen, werden
Ketaminlösungen häufig einge-
trocknet und das sich herauskristallisierende Pulver gesnieft.
Es wird berichtet, dass eine orale Einnahme von Ketaminhydrochlorid
eine abgeschwächte, jedoch ausreichende Wirkung ergibt,
die Dosierungsangaben schwanken hier jedoch erheblich (zwischen
100-500 mg). Außerdem soll es (sehr seiten!) gepresste
Ketamin- Tabletten geben, die als MDMA (Ecstasy) verkauft werden. |
| Wirkung |
Unmittelbar
nach der intravenösen Injektion setzt eine generelle Schmerzlosigkeit
ein. Bei hohen Dosierungen folgt eine circa zehn Minuten andauernde
Bewusstlosigkeit. Der anschließende schläfrige Dämmerzustand
kann zwischen 30 Minuten und zwei Stunden lang sein, bei dem
dissoziative Erlebnisse häufig sind.
Mehrere Stunden nach dem Abklingen des „Rausches“ sind
allgemeine Schwäche, motorische Koordinations-
störungen und Übelkeit möglich. Das dissoziative
Erleben wird durch eine rückwirkende Gedächtnisstörung
vermindert (retrograde Amnesie), meistens kann man sich jedoch
teilweise an die beeindruckenden Erlebnisse erinnern. Die Amnesie
ist bei hohen Dosierungen stärker ausgeprägt. Durch
Umweltgeräusche und forcierte Versuche, den Betroffenen
zu wecken, werden weitere Halluzinationen hervor-
gerufen. Nach oraler Einnahme werden nach circa zehn bis 15 Minuten
unterschiedliche Körperempfindungen wie Kälte-oder
Wärmegefühl, Ohrenklingeln und Kribbeln wahrgenommen.
Es folgt rasch eine Phase, in der die Kontrolle über den
Körper verloren geht. Stehen und Gehen wird unmöglich,
der Betroffene hat das Gefühl, nicht mehr atmen zu können,
und es kommt oft zu Angstreaktionen mit der Überzeugung,
sterben zu müssen. Der Rausch kann an die Ich-auflösenden
Erleb-
nisse erinnern, die bei hohen Dosierungen von LSD eintreten und
sind entsprechend erschreckend für unerfahrene Benutzer.
Zusammenfassend wird das dissoziative Erlebnis weder als angenehm
noch als unangenehm empfunden, manche sind jedoch davon so fasziniert,
dass sie immer wieder Ketamin einnehmen wollen. Es wird sowohl über
Toleranzbildung berichtet, wobei 5-bis 10-fache Dosierungen eingenommen
werden müssen, als auch über Persönlichkeits-
veränderungen mit Fehlhandlungen und psychischer Abhängigkeit
nach längerem Gebrauch. Ketamin ist in Deutschland als verschreibungspflichtiges
und verkehrsfähiges Arzneimittel eingestuft und unterliegt
zurzeit nicht den Auflagen des Betäubungsmittelgesetzes.
In Tierversuchen konnte eine Schädigung von unreifem ZNS-Gewebe
durch Ketamin nachgewiesen werden. Hier sind vor allem die NMDA-Rezeptor-
assoziierten Regionen betroffen. Diese werden durch Ketamin in
ihrer Funktion als Glutamat-Andockstellen blockiert, was den
Untergang der Hirnzellen dieser Areale zur Folge haben kann.
Die Übertragbarkeit dieser tierexperimentellen Ergebnisse
auf den Menschen wird zurzeit diskutiert. Auf die nicht unerheblichen
Gefahren einer Abhängigkeitsentwicklung bei fortgesetztem
Missbrauch von Ketamin sei in diesem Zusammenhang hingewiesen. |
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