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Codein
Der Name leitet sich von griechisch „Kodeia“ = Mohnkapsel
ab. Codein ist ein Opium-Alkaloid, das zu 0,3 bis drei Prozent
im Saft der Schlafmohnpflanze
enthalten ist. Es wird aus dem getrockneten Saft unreifer Kapseln
gewonnen. Synthetisch stellt man es durch Umwandlung von Thebain
oder durch Methylisierung von Morphin her. Der Chemiker Pierre
Jean Robiquet entdeckte Codein im Jahr 1833. Die wissenschaftliche
Bezeichnung lautet Methylmorphin oder auch Morphinmethylether (C18H21NO3).
Codein metabolisiert in der Leber am Enzym Cytochrom P-450 CYP2D6
teilweise zu Morphin. Etwa zehn Prozent der weißen Bevölkerung
kann Codein nicht metabolisieren.
Medizinische Anwendung
In der Medizin wird Codein hauptsächlich als Antitussivum (hustenstillendes
Mittel) gebraucht. Die Anwendung als Analgetikum (Schmerzmittel)
ist seltener und erfolgt meist in Kombination mit anderen Wirkstoffen,
beispielsweise zusammen
mit Paracetamol. Seit den siebziger Jahren bis Ende der neunziger
Jahre wurden Codein und Dihydrocodein (DHS) als Substitutionsmittel
bei Heroinabhängigen eingesetzt.Die Einnahme erfolgt in der
Regel oral durch Tabletten oder als Saft.
Substitution
Eine Studie des Münchner Gerichtsmediziners Randolph Penning
aus den Jahren 1986 bis 1992 berichtete über Todesfälle
durch Substitution mit dihydrocodeinhaltigen Ersatzmitteln. Die Untersuchung
löste in der Öffentlichkeit und in der Fachpresse eine
heftige Kontroverse aus. Seit dem 01.02.1998 unterliegt die Substanz
dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und wird in Anlage III als
verkehrsfähig und verschreibungspflichtig eingestuft. Die Abgabe
an Apotheken sowie die Verschreibung darf nur niedrig dosiert bis
zu einer bestimmten Menge erfolgen. Eine Anwendung als starkes Schmerzmittel
ist nicht mehr möglich.Seit der Änderung des BtMG darf
Codein als Substitutionsmittel nur noch „in anders nicht behandelbaren
Ausnahmefällen“ ärztlich verordnet werden. Opiatabhängige
Patienten wurden von Codein auf Methadon umgestellt. Nach Ergebnissen
einer Studie von Kalke, Verthein, Farnbacher, Schmidt und Degkwitz
aus den Jahren 1998 bis 2000 verlief die Umstellung bei 73 Prozent
der Patienten erfolgreich. Acht Prozent erhielten später eine
Kombination aus Methadon und Codeinpräparaten.
Bei 19 Prozent der Untersuchungsteilnehmer musste die Umstellung
wieder rückgängig gemacht werden, sie wurden erneut mit
Codeinpräparaten substituiert. Der Unterschied zwischen den
erfolgreich umgestellten Patienten und den „Abbrechern“ bestand
darin, dass die zweite Gruppe schon wesentlich länger mit Codein
substituiert worden war.
Wirkung
Codein beseitigt bei hoher Dosierung die Entzugserscheinungen von
Heroin und Morphin, weshalb es unter Abhängigen auch als Ersatzdroge
verwendet wird. Bei Einzeldosen über 400 Milligramm ist oft
keine weitere Wirkungssteigerung festzustellen, da die Leber nicht
in der Lage ist, so viel Codein in kurzer Zeit in das wirksame Morphin
zu metabolisieren.Rauschwirkung und Suchtpotential werden in Fachkreisen
sehr unterschiedlich beurteilt. Die Einschätzung der Rauschwirkung
reicht von „beruhigend, jedoch nicht berauschend“ (Sahihi) über „kaum
euphorisierend“ (Weymann) bis hin zu „euphorisierend“
(Langbein, Martin und Weiss). Insgesamt wird die Wirkung von Codein
deutlich schwächer eingestuft, als die von Opium oder Morphin.
Die Suchtgefahr schätzen Forth, Henschler, und Rummer als „sehr
gering“ ein. Langbein, Martin und Weiss sprechen von einem „Risiko
der Gewöhnung“, wenn Codein als Schmerzmittel in ansteigender
Dosierung eingenommen wird. Stimmer stuft das Abhängigkeitspotential
als „erheblich“ ein. Nach Sahihi führt der Gebrauch
von Codein als Substitutionsmittel zu „psychischer und physischer
Abhängigkeit“.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen von Codein gleichen denen anderer Opioide. Die
vom BtMG zur Verschreibung freigegebene Menge ist jedoch gering.
Daher fallen auch die Nebenwirkungen weniger stark aus.Nebenwirkungen
sind Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen und Verstopfung. Besonders
am Anfang einer Behandlung mit Codein kommt es vermehrt zu Appetitlosigkeit, Übelkeit
und Erbrechen. In der üblichen Dosierung von 30 Milligramm senkt
Codein die Atemfrequenz, weil das Atemzentrum gehemmt wird.
Wechselwirkungen
In Kombination mit zentraldämpfenden Pharmaka, also anderen
Opioiden oder starken Schlafmitteln, kommt es zu einer verstärkten
Beruhigung und einer dämpfenden Wirkung auf das Atemzentrum.
In Verbindung mit Alkohol verschlechtert sich die Leistungsfähigkeit
der Psychomotorik.
Gegenanzeigen
Kontraindikationen sind Störungen der Atemfunktion und akute
Asthmaanfälle. Bei erhöhtem Hirndruck und Bewusstseinsstörungen
darf Codein ebenfalls nicht verabreicht werden. Die Abgabe an suchtgefährdete
oder abhängige Personen
ist verboten, mit Ausnahme der in der Substitution nicht anders behandelbaren
Fälle.Aufgrund der Gefahr einer herabgesetzten Atemleistung
sollten Säuglinge und Kleinkinder Codein nicht erhalten. Auch
bei stillenden Müttern und Schwangeren ist aus diesem Grund
Vorsicht geboten. Bei Einnahme während der Schwangerschaft besteht
darüber hinaus die Gefahr, dass später beim Neugeborenen
Entzugserscheinungen auftreten.
Pharmakologische Daten von
Codein
Wirkstärke relativ zu Morphin 0,1
perorale Bioverfügbarkeit 50 %
HWZ 3 Met 2,5
Wirkungseintritt 30-60 min
Wirkungsdauer 4 h
Demethylierung zu Morphin in der Leber zu (8-) 10- (14)
%
Rote Liste C 85
mittlere therapeutische Einzeldosis 30-50 mg
mittlere therapeutische Tagesdosis 60-120 mg
Nachweiszeit Urin bis 7 Tage
Nachweiszeit Blut/Serum mehrere Stunden, stark dosis- abhängig
Nachweisgrenze Urin 100 ng/ml |
Handelsmarken
Monopräparate
Codeinum phosphoricum Berlin-Chemie 30 mg Tabletten
Codeinum phosphoricum Compretten 30 mg / -forte 50 mg Tabletten
Codipront®mono 30 mg Retardkapseln / 2,5 % Retardtardtropfen
/ 0,2 % RetardsaftCodipront OPT® 76,82 mg Tabletten
Tryasol® Codein 30/50 mg Tabletten / 0,25 % mite Lösung
2,2 % forte Lösung
Kombinationspräparate
Combaren® Filmtabletten (50
mg Codeinphosphathemihydrat, 50mgDiclofenac-Na)
dolomo® TN Tabletten (Nacht-Tabletten: 30 mg Codeinphosphathemihydrat,
250 mg Acetylsalicylsäure, 350 mg Paracetamol)
Gelonida® Schmerztabletten (30 mg Codeinphosphathemihydrat,
500 mg Paracetamol) |
Quellen:
Forth, W., Henschler, D. & Rummerl,
W. (Hrsg.) (1987): Allgemeine und spezielle
Pharmakologie und Toxikologie, Mannheim.
Kalke, J., Verthein, U., Farnbacher,
G., Schmidt, V. & Degkwitz,
P. (2001): Funktioniert die Umstellung von Codein auf Methadon
bei Opiatabhängigen? Ergebnisse einer patientenbezogenen
Untersuchung, Sucht 47, Heft 1, 49-56.
Langbein, K., Martin, H.-P. & Weiss, H. (1999-2001):
Bittere Pillen. Nutzen und Risiken der Arzneimittel. Ein
kritischer Ratgeber, Köln.
Sahihi, A. (1990): Drogen von A bis Z. Gifte, Sucht und
Szene, Weinheim/Basel.
Schmidt, T. (2002): Drogenhilfe und Graumarkt. Beispiele
Amsterdam und Bremen, Opladen.
Stimmer, F. (Hrsg.) (2000): Suchtlexikon,
München/Wien.
Weymann, S. (1993): Der Einfluß von Ersatzdrogenprogrammen
auf die Drogensucht unter besonderer Berücksichtigung
von Beschaffungskriminalität, Beschaffungsprostitution
und HIV-Infektionsrate von i. v. Drogenabhängigen, Frankfurt.
www.drogenlexikon.de/html/body_codein.html
www.m-ww.de/pharmakologie/arzneimittel/schmerzmittel/codein.html
www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/a-z/c.html |
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