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Alraune
Der Name Alraune leitet sich vom althochdeutschen Wort alp „Angsttraum“ und
vom nordischen rûna „heimlich flüstern“, „raunen“ ab.
Der botanische Name lautet Mandragora. Mundartliche Bezeichnungen
sind Alraunmännchen, Antimalus, Armesünderblume, Dollwurz,
Erdmännchen, Erdweibchen, Folterknechtwurzel, Galgenmännlein,
Henkerswurzel, Hexenkraut, Hundsapfel, Liebesapfel, Liebeswurzel,
Menschenwurzel, Schlafbeer, Teufelskerze, Teufelsapfel, Zauberwurzel.
Beschreibung
Die Gattung Mandragora umfasst sechs verschiedene Arten und gehört
zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die beiden
kulturgeschichtlich wichtigsten Arten sind die Frühlings-Alraune
(Mandragora officinarum) und die Herbst-Alraune (Mandragora autumalis,
auch Mandragora foemina genannt). Alraunen sind mehrjährige
Pflanzen mit einer dicken, knolligen und tief gespaltenen Rübenwurzel,
die oftmals eine mehr oder weniger menschenähnliche Gestalt
zeigt. Sie können bis zu 50 cm lang werden, an der Erdoberseite
ist jedoch lediglich die Blattrosette sichtbar. Diese zeigt dunkelgrüne
Blätter von runzeliger Oberfläche, die bis zu 60 cm lang
werden können und sich am Rande kräuseln. Die 3 bis 4 Zentimeter
großen glockenförmigen Blüten sind von violetter,
weißlich-grüner oder gelber Farbe und wachsen aus der
Rosette heraus. Nach der Blütezeit reifen die etwa pflaumengroßen,
gelborangen bis orangeroten Früchte heran.
Stadort und Verbreitung
Alraunen finden sich im Mittelmeerraum von Portugal bis Griechenland,
in Nordafrika sowie im Nahen Osten, in Kleinasien und über Zentralasien
bis in den Himalaja. Es handelt sich um eine Ödlandpflanze,
die an trockenen, sonnigen bis halbschattigen Standorten auf leichtem
Sandboden gut gedeiht.
Geschichte
Die Alraune ist eine giftige Heil- und Ritualpflanze, die seit der
Antike besonders wegen ihrer menschenähnlichen Wurzelform als
Zaubermittel gilt. In der griechischen Mythologie war die Göttin
Aphrodite auch die Mandragoritis, die Herrin der Mandragora. Bei
dem Aristoteles-Schüler Theophrast wird die Alraun-Pflanze als
Aphrodisiakum erwähnt, das von betrügerischen Wurzelgräbern
angepriesen wurde. Aufgrund des seltenen Vorkommens wurde die Alraune
nicht nur teuer gehandelt, es wurden sogar gefälschte, geschnitzte
Wurzeln in Umlauf gebracht. Plinius beschrieb die Verwendung als
chirurgisches Betäubungsmittel. Im 1. Jahrhundert nach Christus
berichtete Dioskurides in seinem Arzneibuch De materia medica von
der Verwendung in Liebestränken oder als Mittel gegen Schlaflosigkeit,
Schmerzen, vor Operationen und Ausbrennungen. Als giftiges Halluzinogen
und „Zaubermittel“ wurde die Alraune vor und während
des Mittelalters von den Bewohnern des europäischen Kontinents
geachtet und zugleich gefürchtet. Der Gebrauch von Nachtschattendrogen
(Stechapfel, Tollkirsche, Mandragora) in Form so genannter Hexensalben
und -gebräue erreichte im europäischen Mittelalter einen
Höhepunkt. Die mittelalterlichen Beschreibungen der Alraune
legten in der Regel Flavius Josephus oder Aelian zugrunde.
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Das Ausreißen der Wurzel war mit zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen
verbunden, denn man glaubte, dass die schauderlichen Schreie der
Pflanze den Sammler um den Verstand bringen oder sogar töten
könnten. Die Ernte mit Hilfe eines schwarzen Hundes, der die
Wurzel aus dem Boden zieht, nachdem sie vorher zum größten
Teil ausgegraben wurde, findet sich öfters beschrieben. Mittelalterlichen
Vorstellungen zufolge wuchsen Alraunen vor allem unter Galgen oder
Bäumen, an denen ein Dieb gehängt worden war. Man glaubte,
dass der Urin oder das Spermium des Gehängten den Wuchs der
Pflanze begünstigen. Hildegard von Bingen, die der Alraune ein
ganzes Kapitel in der Causae et Curae widmete, glaubte, dass der
Teufel in der Pflanze wohne. Das Ernten galt zu dieser Zeit nicht
mehr als problematisch, jedoch sollte danach der Alraun in queckborn
(Quellwasser) gelegt werden, um das Böse aus ihm hinauszudrängen
und die Anwendung als Heilpflanze zu ermöglichen. Im 16. und
17. Jahrhundert gehörten Alraunen zu den begehrtesten pflanzlichen
Talismanen und sollten als Amulette gegen bösen Zauber und bei
Verwundungen aller Art helfen. Noch 1820 wurde auf dem Leinberg bei
Göttingen ein“Alruneken“ mit Hilfe des schwarzen
Hundes aus der Erde geholt (Bächtold-Stäubli 2000, S. 319).
Neben ihrer medizinisch-magischen Anwendung galt die Alraune bis
in die heutige Zeit hinein als Glücksbringer: Anfang des 20.
Jahrhunderts verkaufte das Berliner Kaufhaus Wertheim so genannte „Glücksalraunen“ für
2,25 Mark (Bächthold-Stäubli 2000, S. 318). Hierbei handelte
es sich um Pflanzenteile in einem Medaillon, die laut Beipackzettel
Gesundheit, Glück, Reichtum oder die Liebe einer angebeteten
Person herbeiführen sollten.
Inhaltsstoffe
Die Alraunwurzel enthält 0,2 bis 0,6 Prozent giftige psychoaktive
Tropanalkaloide wie Atropin, Apotropin, Cuskhygrin, Hyoscin, Hyoscyamin,
Mandragorin, Scopolamin und Solandrin. Hauptbestandteile sind die
Tropane (S)-Hyoscyamin und (S)-Scopolamin, die im Verhältnis
18:2,5 enthalten sind. Damit ist Hyoscyamin das primäre Hauptalkaloid.
Rauschwirkung und Symptome
Die Wurzel der Alraune wirkt stark beruhigend bis berauschend und
haluzinogen, aber auch schmerzstillend und abführend. Die Halluzinationen
können von einem tranceähnlichen Schlaf begleitet werden.
Die Droge kann Raserei auslösen und zum Tod durch Atemlähmung
führen. Grundsätzlich muss fast mit der gleichen Wirkung
wie beim Stechapfel (Datura stramonium), Bilsenkraut (Hyoscyamus
niger) und anderen Nachtschattendrogen gerechnet werden. Es muss
von einer stark anticholinergen Wirkung ausgegangen werden, die sich
in mittleren Dosen in ein regelrechtes Delirium steigert, bis unter
Umständen bei sehr hohen Dosen, der Tod durch Atemlähmung
eintritt. Die Pflanze löst in mittleren Dosen zudem Störungen
in der Bewegungskoordination aus, die so stark werden können,
dass der Berauschte sich kaum auf den Beinen halten kann, taumelt
und das Gefühl hat zu fliegen. Ebenso kommt es wie bei allen
anderen Nachtschattendrogen zu einer Lähmung des Pupillenmuskels,
wodurch während des Rausches die Fähigkeit zu Lesen verloren
geht. Die verringerte körperliche Leistung wird vor allem durch
die atemdepressive Wirkung der Nachtschattendrogen verursacht. Nachtschattengewächse
lösen oft erotische Träume aus, doch ist die sexuelle Aktivität,
aufgrund der starken Betäubungswirkung des Scopolamins, sehr
vermindert. Typische Vergiftungserscheinungen sind Verwirrung, stark
geweitete Pupillen (Glanzaugen), beschleunigte Herztätigkeit,
flache Atmung, zentrale Erregung, starke motorische Unruhe, ein trockener
Mund, gerötete, trockene und heiße Haut und narkoseähnlicher
Schlaf. Der Rausch kann zwei bis drei Tage anhalten.
Therapie bei Intoxikationen
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Bei Problemen durch die Einnahme einer Nachtschattendroge empfehlen
sich zuallererst beruhigende Maßnahmen, wie Reden, Abschalten
lauter Musik, Körperkontakt usw. Bei einer starken Intoxikation,
vor allem bei Tobsuchtsanfällen, muss sofort die Rettung alarmiert
werden. Besonders notwendig ist die Hinzuziehung eines Arztes, wenn
typische Symptome einer Atemlähmung (blaue Lippen; stockende,
schwere Atmung) auftreten. Physiostigmin wirkt als spezifisches Gegengift
und steht im Mittelpunkt der medikamentösen Behandlung. Ein
bis zwei Milligramm werden intravenös verabreicht. Falls nötig
wird diese Dosis in einstündigem Abstand wiederholt. Das Hauptrisiko
einer hochdosierten Vergiftung ist die zentrale Atemlähmung.
Sie kann durch künstliche Beatmung abgewendet werden. Temperatursenkende
Maßnahmen und bei Erregungszuständen die Gabe von Hexobarbital
oder Diazepam (Valium), intravenös in kleinen Dosen, ergänzen
die Behandlung wirkungsvoll, da die Berauschung durch die Nachtschattendrogen
auch von angstbesetzten Zuständen geprägt sein kann. Diazepam
(10 bis 20 Milligramm intravenös) kann auch gegen Krämpfe
eingesetzt werden. Max Daunderer erwähnt in seinem Werk Klinische
Toxikologie der Gegengifte, dass Physiostigmin als Physiostigminsalizylat
in Ampullenform verwendet und in pharmazeutischen Handel angeboten
wird. Dieses Gegenmittel muss unbedingt vor Licht geschützt
werden und darf nicht erhitzt werden. Die verwendete Dosis bei Vergiftungen
beträgt 0,02 bis 0,006 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Das Gegengift wird entweder intravenös oder intramuskulär
gespritzt und besitzt nach Angabe Daunderers eine Wirkungsdauer von
eineinhalb bis zwei Stunden. Auch dieses Gegenmittel muss mehrfach
hintereinander appliziert werden, denn die Wirkung der Nachtschattendrogen
kann viele Stunden bis zu zwei Tagen anhalten. Beim Nachlassen der
Wirkung durch das Gegengift tritt dann erneut die atemlähmende
Wirkung in den Vordergrund und es kann nochmals zu einer ernsthaften,
sogar lebensbedrohlichen Krise kommen. Bei der Wahl des Beruhigungsmittels
muss der Arzt streng darauf achten, dass es zu keiner Verstärkung
der möglichen oder vorhandenen Atemlähmung durch die Wahl
des Beruhigungsmittels kommt - denn diese ist lebensbedrohlich und
kann auch, wenn sie überlebt wird, bleibende Schäden zurücklassen.
Deshalb wird heute kaum noch ein Barbital verwendet, sondern die
viel weniger atemdepressiv wirkenden Benzodiazepine (Anxiolytika),
deren bekanntester Vertreter das Valium (Diazepam) ist. Das früher
oft in der Psychiatrie eingesetzte Haldol (Haloperidol), das vor
allem bei Psychosen verwendet wird, ist für die Behandlung nicht
geeignet.
Verwendung als Heilmittel
In Europa ist die Alraune als Medikament nicht mehr von Bedeutung.
Sie dient aber noch als Lieferant für medizinisches Skopolamin.
In der Homöopathie findet die Pflanze Anwendung bei Schlaflosigkeit,
Asthma, Heufieber und Keuchhusten, depressiven Zuständen, bei
Magengeschwüren, Koliken und Leberstörungen, bei Blasenkrämpfen
und Dysmenorrhoe sowie bei Ischias und entzündeten Gelenken.
Zusammenfassung: Beate Maria Bollig
Quellen:
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des deutschen Aberglaubens, 10 Bde., Berlin/Leipzig, 1927-1942; 3.
unveränd. Aufl., Berlin/New York.
Daunderer, M. (1987): Klinische Toxikologie der Gegengifte, Landsberg/Lech.
Gartz, J. (Hg.) (o. J.): Halluzinogene in historischen Schriften.
Eine Anthologie von 1913-1968.
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zur Alraune, in: Toxichem. + Krimtech. Mitteilungsblatt der Gesellschaft
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Marzell, H. (1963): Zauberpflanzen und
Hexentränke. Brauchtum
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Pahlow, M.(2002): Das große Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz
Verlag.
Schlosser, A. (1987): Die Sage vom Galgenmännlein im Volksglauben
und in der Literatur; Diss., Münster 1912, (Nachdr. Berlin (Express)).
van Wyk, B.-E. (2004): Handbuch der Arzneipflanzen, Stuttgart.
Wicht, M. (2002): Teedrogen und Phytopharmaka.
Ein Handbuch für
die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage, Stuttgart.
www.pflanzenbuch.de/modules.php?name=Pflanzendatenbank&s=Mandragora+officinarum
www.catbull.com/alamut/Lexikon/Pflanzen/
Mandragora%20officinarum.htm
www.tu-darmstadt.de/fb/bio/bot/alraune.html
www.awl.ch/heilpflanzen/mandragora_officinarum/
www.drugcom.de/site/druginfo/druglex/lexikon.php?id=160&was=A-F
//de.wikipedia.org/wiki/Alraune_%28Kulturgeschichte%29
//de.wikipedia.org/wiki/Alraunen
www.awl.ch/heilpflanzen/mandragora_officinarum/
www.giftpflanzen.com/mandragora_autumnalis.html
www.8ung.at/drogeninfonet/pflanzen/solanaceae/alraune.html
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