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Absinth.
Absinth, ein
alkoholisches Getränk
aus einem Extrakt des Wermutkrautes (Artemisia absinthium, engl. wormwood)
ist aufgrund des hohen Chlorophyll- Gehaltes smaragdgrün und wird
auch als „Grüne Fee“ bezeichnet. Das blau grünlich
bis braune zähflüssige ätherische Öl dieser Pflanze
enthält das Nervengift Thujon. Weitere Bestandteile des Absinths
sind die Kräuter Angelika, Anis, Korian- der, Fenchel, Artemisia,
Pfefferminz und Ysop.
Der Hauptwirkstoff des Absinths Thujon ist ein Isomer (verschiedene
Stoffe mit gleicher chemischer Zusammensetzung aber unterschiedlicher
chemischer und physikalischer Eigenschaften) und existiert als Alpha-Thujon
und Beta-Thujon. In der Intensivmedizin wird Thujon wegen seiner
Krampf auslösenden Wirkung zur Behandlung von mit
Narkotika vergifteten Patienten verwendet.
Die
Pflanze
Das Wermutkraut ist in Südeuropa, Nordafrika und Asien weit
verbreitet. Zu den Hauptwirkstoffen gehören Absinthin, Anabsinthin
und ein etherisches Öl, welches sich in allen Anteilen der Pflanze
findet. Das Wermutöl, die Essenz des Wermutkrauts, enthält
40 bis 70 Prozent Thujon, daneben Thujalkohol, Absinthin, Phellandren,
Cadinen, Pinen, Azulen, Cineol und Salicylsäure (Römpp).
Bittermacher ist der Inhaltsstoff Absinthin, der nach Arnold (1989)
noch in einer Verdünnung von 1 zu 70.000. wahrgenommen werden
soll (ein Gramm in 70 Litern Wasser). Die Nervengifte Thujon und
Phellandren können Krämpfe hervorrufen und zu schweren
Degenerationserscheinungen am zentralen Nervensystem führen.
Im Tierversuch werden bei kleinen Gaben von Wermutöl leichte
Muskelzuckungen, bei größeren Gaben klonische Krämpfe
berichtet.
Geschichte
Wermutkraut wurde bereits früh zur Herstellung alkoholischer
Getränke benutzt. Schon Plinius erwähnt einen als Absinthithes
bezeichneten Wein, dem Wermutextrakt zugesetzt wurde. Der Ursprung
der Herstellung des Absinths wird in der Schweiz vermutet. Ein
gewisser Major Dubied, dessen Sohn Marcelin und sein Schwiegersohn
Pernod gründeten 1797 in Frankreich eine Absinth-Brennerei.
Das Rezept sollen sie eben in diesem Jahr von einer Madam Henriod
in der Schweiz gekauft haben. Der Aufstieg des kostengünstigen
Absinths - so die Vermutung - steht im Kontext mit ansteigenden
Weinpreisen im 18. Jahrhundert. Eine wichtige Rolle spielten sicherlich
die Bohemes, die den Absinth zum Kultgetränk werden ließen.
Bereits um 1850 erlebte der Absinth allerdings seinen Niedergang.
Bei chronischer Aufnahme wurde ein Syndrom beschrieben, praktischerweise
Absinthismus genannt. Als Hauptsymptome galten Sucht, Übererregbarkeit
und Halluzinationen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in fast
allen europäischen Ländern der Absinth in Folge verboten.
Erst 1981 wurde in Deutschland das Absinth-Gesetz aufgehoben, die
Aromenordnung verbot in Deutschland aber weiterhin die Verwendung
von Wermutöl
Seit 1991, nicht wie oft berichtet 1998,
ist ein reglementierter Thujon-Anteil wieder zulässig (Richtlinie 88/3888/EWG vom 22.06.1988). Mit Beschluss vom 27.09.91 (Bundesratssache 428/91) wurde auch in Deutschland die Zulässigkeit von Thujon auf 5 mg/kg in alkoholischen Getränken
von bis zu 25 Vol%, von 10 mg/kg bei einem Gehalt von mehr als
25 Vol% und auf 35 mg/kg in Bitterspirituosen festgelegt (Bundesgesetzblatt
1991, Teil I Seite 2045-50).
Wirkung
Wolfgang Huckenbeck mahnt in seinem Beitrag „Absinth - Ein neues Spielzeug für die Spaßgesellschaft“, die vorhandenen Publikationen zum Thema Absint mit Vorsicht zu interpretieren, da sie größtenteils sehr alt seien und teilweise auch die wissenschaftliche Objektivität vermissen lassen würden. Sicherlich sei als Hauptwirkstoff des Absinths der Alkoholgehalt zu sehen: immerhin 50 bis 70 Volumenprozent (teilweise bis zu über 80 Volumenprozent). Die besondere Rolle des Absinths unter den alkoholischen Getränken liege aber in der Verwendung des Wermutkrauts beziehungsweise des Wermutöls bei der Herstellung.
Berücksichtige man die früheren Beschreibungen des Absinthismus, ergeben sich große Übereinstimmungen mit den Symptomen des Alkoholismus. Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Muskelzittern, Lähmungen und Krämpfe werden auch dort berichtet. Man denke einmal an die Ausfallserscheinungen bei Alkoholdelirium, Morbus Korsakow und ähnlichen ethanolbedingten Erkrankungen. Beim heutigen Wissenstand könne nicht ausgeschlossen werden, dass die beschriebenen Absinthwirkungen, größtenteils auf Kasusistiken beruhend, in Wirklichkeit hauptsächlich ethanolbedingt waren. Ferner sei auch die Verwendung minderwertigen Alkohols zu bedenken, mit der dann auch leicht Symptome wie Sehstörungen und Erblindung erklärt werden könnten. Das Gegenteil sei natürlich ebenfalls nicht bewiesen, ganz zu schweigen davon, dass bei mancher Absinth-Herstellung auch noch andere Pflanzen mit nachgewiesenem psychedelischer Wirkung zum Einsatz gekommen sein könnten. So finde sich in der vorliegenden Literatur beispielsweise der Hinweis auf
Calamus. Bei kritischer Betrachtung der alten Literaturquellen bliebe der Verdacht, dass tatsächlich neben all den primär gesundheitsschädlichen Folgen des Absinth-Abusus gewisse halluzinogene Wirkungen nicht abgestritten werden könnten. Der Hauptwirkstoff Thujol habe krampferregende, cerebrale Wirkungen, wie auch das ebenfalls im Wermutöl enthaltene
Phellandren.
Sicherlich mögen viele der beschriebenen Symptome des Absinthismus durch den Alkoholabusus allein erklärt werden können. Aufgrund der neueren Untersuchungen über den zentralen Angriffspunkt des Thujols könnten sich aber bei simultaner Aufnahme von Ethanol und Thujol einige einander abschwächende Effekte ergeben. Hieraus könnte in der Tat ein von der reinen Ethanolintoxikation etwas abweichender Rauschzustand erreicht werden. Die Abbauprodukte des Thujols konnten im Tierversuch im Gehirn nachgewiesen werden. Welchem Abbauprodukt nun die hauptsächliche, zentrale Wirkung zukommt, ist letztendlich noch ungeklärt.Es wird immer wieder zitiert und in der Werbung auch angegeben,
dass der Thujol-Anteil des wieder zulässigen Absinths zehn mg pro Liter Getränk nicht überschreiten darf.
Hoher Alkoholgehalt
Huckenbeck verweist in diesem Kontext auf folgende Rechnung: „Wenn sich ein 70 kg schwerer Mann normaler Statur innerhalb von drei Stunden auf eine Blutalkoholkonzentration von 2,5 Promille hoch trinkt, so sind dafür nach realistischer Rechnung (zehn Prozent Resorptionsdefizit und Abbau von 0,15 Promille pro Stunde) 284 ml eines 70-volumenprozentigen und 398 ml eines 50-volumenprozentigen Absinths notwendig. Diese aufgenommenen Mengen enthalten dann drei beziehungsweise vier Milligramm Thujol. Dies entspricht einer Aufnahme von 0,004 beziehungsweise 0,006 mg/kg Körpergewicht. Unterstellt man die Untersuchungsergebnisse von Pinto als verallgemeinerbar, so liegt dieser stark betrunkene Mensch hinsichlich der Thujon-Belastung zwei Zehnerpotenzen darunter.“
Von einer genüsslich zelebrierten „grünen Stunde“ müsse somit nicht generell abgeraten werden, sie sollte aber nicht täglich sein; zudem müssten die im obigen Rechenbeispiel beschriebenen 2,5 Promille ja auch nicht erreicht werden.
Zusammenfassung: Evelyn Löscher
Quellen: Dt. Ärztebl. 2001; 98: A 2716-2724 [Heft 42]
www.drug-infopool.de/rauschmittel/absinth.html
www.uni-duesseldorf.de/WWW/MedFak/Serology/
sero/sero-3-01/absinth.htm
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